
Der Chef der Bautischlerei in Lucka Peter Wittenberger nahm beim Besuch des Landrates (3. v. r.) und der Bürgermeisterin (links im Bild) an seinem selbstgebauten Computerschreibtisch Platz. (Foto: Silke Manger)
Ergonomische Computertische Made in Lucka werden in San Francisco getestet, ein Sachse betreibt sein Unternehmen in Thüringen – im nördlichen Teil des Altenburger Landes wird ebenso kreativ wie wirtschaftlich produziert. Davon überzeugte sich Landrat Sieghardt Rydzewski mit der hauptamtlichen Beigeordneten, Christine Gräfe, und weiteren Mitarbeitern des Landratsamtes bei einem Besuch in der Stadt Lucka am 30. Juni 2010. Erste Station der Delegation zusammen mit der Bürgermeisterin und weiteren Vertretern der Luckaer Verwaltung war das Unternehmen von Frank Heilmann. Der gelernte Kfz-Mechaniker mit Qualifikation zum Techniker stand in einem festen Arbeitsverhältnis, bevor er im Februar 2009 den Weg in die Selbstständigkeit wählte.
Seitdem betreibt er auf dem Gelände An der Bahn in Lucka eine freie Kfz-Werkstatt. Für den Mann aus Groitzsch spielen Ländergrenzen dabei längst keine Rolle mehr. „Ich bin überrascht, wie gut es angelaufen ist. Meine Kunden, die zumeist telefonisch oder persönlich den Kontakt suchen, kommen aus Zwenkau, Borna, Zeitz oder dem Altenburger Land“, sagte Frank Heilmann. Ob Unterbodenpflege, Inspektionen, Unfallinstandsetzungen oder Reparaturen, es gibt fast nichts, was der gelernte Kfz-Mechaniker nicht macht. Auch TÜV und Abgasuntersuchung, Reifendienst, Lack- oder Innenraumpflege sowie elektronische Fehleranalyse für Motor, Airbag oder Wegfahrsperre sind möglich. Und sollte mal ein schwerwiegendes Problem nicht gleich gefunden werden, steht der Unternehmer im engen Kontakt mit Werkstätten der Umgebung.
Das Besuchsprogramm durch Lucka führte auch am ehemaligen Gasthof „Zur Sonne“ vorbei. „Wir sind froh, dass wir für das Gebäude in der Altenburger Straße 150.000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm für Sicherungsmaßnahmen am Dach und der Fassade erhalten haben. Damit wurde ein weiterer Schandfleck in der Altstadt beseitigt“, resümierte Bürgermeisterin Kathrin Backmann. Im Anschluss daran, konnten sich die Vertreter des Landratsamtes und der Stadt Lucka von der Innovationskraft der Bautischlerei Peter Wittenberger überzeugen. In den vergangenen 60 Jahren hat sich das Unternehmen vor allem im Bereich Fenster, Türen und als Bautischlerei einen Namen gemacht. Zum heutigen Aufgabenspektrum der acht Mitarbeiter zählen zudem Restaurationsarbeiten an Möbeln und Deckenverkleidungen. Die Luckaer Produkte sind dabei bereits weit über die Stadt hinaus bekannt. Das beweist auch die neueste Idee der Bautischlerei. Zusammen mit einem Partner aus der Computerbranche hat Peter Wittenberger einen ergonomischen Computerschreibtisch entworfen, der sich ganz individuell an die Bedürfnisse eines jeden Benutzers anpassen lässt. Mitte Juli werden zwei der mittlerweile 20 gefertigten Schreibtische aus brasilianischem Massivholz von Lucka nach Übersee verschifft.
In San Francisco ebenso wie im Dresdner Kultusministerium wird diese Innovation in den nächsten Monaten allumfassend getestet. Vorsorglich hat sich der Unternehmer diese Erfindung patentieren lassen. Trotz seines enormen Engagements hat der Chef in den vergangenen Jahren auch immer Nachwuchsförderung betrieben und so wurden seit 1990 24 Tischlerlehrlinge, darunter 5 Frauen, in seiner Firma ausgebildet. Auch die Tochter von Peter Wittenberger gehörte dazu. Sie soll den Betrieb in wenigen Jahren übernehmen. Im Anschluss an die Unternehmensbesuche wurden die neugestaltete Bibliothek, der neue Trainingsplatz mit Beregnungs- und Flutlichtanlage sowie der Prößdorfer See besichtigt. Der Arbeitsbesuch endete mit einem abschließenden Gespräch im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Lucka, zu dem auch 10 Stadtratsmitglieder zugegen waren. Landrat Sieghardt Rydzewski nutzte die Gelegenheit, um aufgrund der derzeit schwierigen Situation im Luckaer Stadtrat einen ganz persönlichen Appell an die Stadtratsmitglieder zu richten. Er habe Sorge, dass der Stadtrat gerade dabei sei, seinen guten Ruf zu verspielen.
„Sorgen Sie dafür, dass Lucka zu alter Stärke und Geschlossenheit zurückfindet. Hier muss ein Ruck durch den Stadtrat gehen, hört auf mit dem Gestern und fangt mit dem Morgen an“, appellierte der Landrat am Ende seines Arbeitsbesuches in Lucka. Weitere Themen in der anschließenden Diskussionsrunde gab es hinsichtlich der derzeitigen Haushaltssperre des Landkreises, zur Einführung der doppelten Buchführungen „Doppik“ in den Verwaltungen und zur derzeit öffentlichen Diskussion über einen möglichen Zusammenschluss der drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.