
Dr. Uwe Moos zeigt einen Erdklumpen, in den Metallfäden eingeschlossen sind, die wahrscheinlich aus Gold bestehen. Foto: Ronny Seifarth
Spektakulärer Grabfund gibt Rätsel auf
Bereits seit November 2009 graben die Archäologen wieder an den Roten Spitzen. Nachdem in den Jahren zuvor Teile der Stiftskirche ausgegraben werden konnten, stehen nun die ehemaligen Klausurgebäude im Zentrum des Interesses. Hier konnten vor allem im Bereich des Westflügels der Klausur wichtige Baubefunde erkannt werden. Neben einer romanischen Kellertonne des Klausurgebäudes haben sich Bausubstanz der Kreuzganginnenmauer von 1306 und Pfostengruben eines hölzernen Vorgängerbaus erhalten. Der hölzerne Vorgängerbau des Kreuzgangs und das Klausurgebäude selbst dürften noch im 12. Jahrhundert fertig gestellt worden sein, das zeigte die Auffindung einer für diese Zeit typischen Kopfnischenbestattung im Kreuzgang (Erklärung: Bei einer Kopfnischenbestattung erfolgt die Anlage der Grabgrube passgenau an die Körperform des Toten). Für die Baugeschichte der Stiftsanlage sind dies enorm wichtige Erkenntnisse.
Der Stifter, der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa, hatte offenbar ein nachdrückliches Interesse am Baufortschritt. Parallel zu den beschriebenen Ausgrabungen im Bereich der Klausur sollen die „alten“ Grabungsschnitte im Querhaus und der Vierung der Stiftskirche nunmehr mit einem Wetterschutzdach versehen werden, damit die dort archäologisch aufgeschlossenen Baubefunde zukünftig der Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen gezeigt werden können. Zurzeit werden die Fundamentgruben für die Pfeilerkonstruktion des Wetterschutzdachs ausgehoben. In diesem Zusammenhang hat sich eine alte Archäologen-Regel bewahrheitet: Die besten Funde kommen am letzten Grabungstag und schon gar nicht dort, wo man es erwarten würde.
Das Grabungsteam um den Stadtarchäologen Michael Mattern (M.A.) und den Ausgrabungsleiter Dr. Uwe Moos war dabei, die letzte

Gustav Wolf (l.) und Jens Brumme bei der Bergung des Grabfundes. Foto: Ronny Seifarth
Fundamentgrube auszuheben – dies alles unter Termindruck, weil ja schließlich der Beton bald kommen sollte – und stieß letztendlich genau dort auf eine Bestattung. Die bislang nur zum Teil freigelegte Bestattung war offenbar bereits im Mittelalter durch die Eingrabung einer weiteren Grabgrube gestört und nur noch etwa zur Hälfte erhalten. Die Grabgrube der fraglichen Bestattung selbst war so nur noch unsicher rekonstruierbar. Einige Auffälligkeiten im Verlauf der Grubenkante könnten darauf hinweisen, dass auch hier ursprünglich eine Kopfnischenbestattung vorlag.
Dies würde zeitlich in das 12. Jahrhundert deuten. Über der noch im anatomischen Verband befindlichen Knochensubstanz konnte eine dünne, dunkel-humose Verfärbung erkannt werden, die stellenweise eine faserige Struktur zeigte. Wahrscheinlich liegt eine ursprünglich organische Substanz vor – es könnte sich um vergangenen Stoff handeln, auch Leder erscheint möglich. Daneben fanden sich besonders im Bereich des Kopfes und der Hüfte sehr feine, gelbliche Metallfäden (geschätzte Stärke: circa 1/10 mm). Da keine Anzeichen von Korrosion festzustellen waren, sollten die Metallfäden aus Gold bestehen. Der „Goldgehalt“ der Bestattung dürfte sich aufgrund der Feinheit der Metallfäden im Milligrammbereich bewegen. „Gewichtigere“ Beigaben – im christlichen Mittelalter ohnehin unüblich – besaß der oder die Tote offenbar nicht. Zumindest war die Bestattung mit einer äußerst kostbaren Totenkleidung ausgestattet worden bzw. besaß einen solchen Überwurf. Nach derzeitigem Ausgrabungsstand wirkt der Körperbau der Bestattung eher grazil, eine Geschlechtsbestimmung liegt freilich noch nicht vor.
Auch wenn die Ausgrabung der Bestattung noch nicht einmal abgeschlossen ist, so steht doch schon fest, dass hier kein einfacher Kleriker seine letzte Ruhe gefunden hat. Es könnte sich um einen hohen Geistlichen des Bergerklosters handeln, der hier in seinen kostbaren liturgischen Gewändern bestattet wurde. Möglich ist auch, dass eine Adelsbestattung vorliegt. Die schriftliche Überlieferung besagt, dass die Burggrafen von Altenburg zwei Erbbegräbnisse im Kreuzgang des Bergerklosters besaßen. Eine ungefähre Lokalisierung zumindest eines dieser Erbbegräbnisse könnte somit in unmittelbare Reichweite gerückt sein. Der wichtige Fund wirft insgesamt eine ganze Reihe von Fragen auf, die nur im Rahmen einer zeitaufwändigen Untersuchung einer Lösung zugeführt werden können. Die Bestattung wurde daher im Block mit dem umgebenden Erdmaterial geborgen, damit eine weitere Ausgrabung unter Laborbedingungen erfolgen kann. So könnten beispielsweise weitergehende Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Kleidung des oder der Toten gewonnen werden. Der Block befindet sich mittlerweile in der Restaurierwerkstatt des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar.