

Ausschnitt aus der DREIGROSCHENOPER mit der neu engagierten Schauspielerin Nora Undine Jahn (vorn) und Alice von Lindenau Foto: Stephan Walzl
Es ist zehn Uhr morgens und die Bühne im Geraer Theater bebt. Eifersuchtszenen werden von elterlicher Sorge im „Anstatt-dass-Song“ abgelöst, skrupellose Ganoven duellieren sich, Berechnung und Egoismus sind zu spüren, der „Kanonensong“ erklingt und Liebeslieder spiegeln ein wenig jugendlichen Leichtsinn wieder - man taucht ein in die Geschichte der „Dreigroschenoper“. Mittendrin ist die Schauspielerin Nora Undine Jahn. Zu früher Stunde versucht sie in einer Schülervorstellung als „Lucy“ den Ganoven Mackie Messer für sich zu gewinnen, schlüpft in die Rolle der Nutte „Betty“ und zeigt wenig später als Ede, einer von Mackies Gangstern, eine sehr schroffe Seite. Ein ganz normaler Tag für eine Schauspielerin…
Nora Undine Jahn ist die neue Schauspielerin bei Theater&Philharmonie Thüringen zur gerade begonnenen Spielzeit 2011/12. Die 25-jährige gebürtige Hallenserin spielte bereits einige beeindruckende Rollen. Doch bis an diesen Punkt zu kommen, war für sie ein sehr steiniger Weg. Ihre Schauspielkarriere begann in ihrer Heimatstadt Halle. Nach dem Abitur sprach sie an mehreren Schauspielschulen vor und wurde abgelehnt. In dieser für sie harten Zeit verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Kellnern und verschiedenen Nebenjobs in sozialen Einrichtungen. Manchmal hatte die Schauspielerin fünf Jobs gleichzeitig, um über die Runden zu kommen. Für sie persönlich, so sagt sie, war dies eine sehr prägende Zeit, in der sie viel über das Leben lernte. Ihren Traum verlor sie in der schwierigen Anfangsphase dennoch nicht. Neben der Arbeit steckte sie ihr Herzblut in die Schauspielerei. Seit 2005 spielte sie am Thalia Theater in Halle und wirkte dort in mehreren Jugendklubproduktionen mit. Weiterhin wurde sie auch für mehrere Produktionen vom Theaterhaus engagiert. Unter anderem hatte sie 2005 Rollen in „Dornröschen“ und „Ein Sommernachtstraum“ und spielte 2006 das exotische Adoptivkind in „Opferpopp“. Im Kampnagel in Hamburg wurde Nora Undine Jahn 2007 für ein Gastspiel engagiert sowie 2008 in der Skala in Leipzig.
Im gleichen Jahr gelang ihr der Durchbruch und sie wurde an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz angenommen. Am Landestheater in Linz spielte sie 2010 die Titelrolle in „Rumpelstilzchen“ und 2011 Judith in „Material Girl“ von Gast-Regisseur Heiko Senst am Theater „Phönix“ in Linz. Heiko Senst, der Schauspieler und Regisseur bei Theater&Philharmonie Thüringen ist, war so begeistert von der jungen Schauspielerin, dass er sie sofort empfahl. Seit 2011 ist Nora Undine Jahn im Erstengagement bei Theater&Philharmonie Thüringen. Neben Proben und Rollen lernen beendet sie ihr vierjähriges Studium und wird am Ende der laufenden Spielzeit ihre Bachelor-Arbeit schreiben.
Ihre Liebe zur Schauspielerei hat Nora schon sehr früh entdeckt. 13 Jahre lang besuchte sie in Halle eine Waldorfschule und fand seit der ersten Klasse Gefallen daran, Dinge jeglicher Art vor einem kleinen oder auch großen Publikum zu präsentieren. Heute ist die Schauspielerei für sie auch ein Weg zur Menschenkenntnis und Reifung. „Man lernt wie Menschen funktionieren und kann wahrnehmen wie sie sind.“, sagt die junge Frau nachdenklich. Besonders wichtig ist ihr, dass sie ihr Publikum animiert, Meinungen und Gedanken erzeugt, und Theater im Zuschauer etwas bewegt. Dabei spielt es ihrer Meinung nach eine untergeordnete Rolle, ob das Erzeugte positiver oder negativer Natur ist. Für sie ist klar: „Wenn Theater langweilig ist, dann ist das eine verpasste Chance!“
Eine der ersten Rollen für Nora Undine Jahn bei Theater&Philharmonie Thüringen ist Lucy in der „Dreigroschenoper“. Lucy kämpft strategisch um die Liebe des berüchtigtsten Ganoven der Londoner Unterwelt, Mackie Messer. Zu diesem Zweck schreckt sie auch nicht davor zurück eine Schwangerschaft vorzutäuschen. Es ist nicht leicht in diese Rolle zu schlüpfen, da Lucy oft schlagartig von einer Haltung zur nächsten wechselt. Rechnet sie in einem Moment mit ihrem Ex-Geliebten ab, möchte sie im nächsten mit ihm durchbrennen. Außerdem übernimmt sie in Shakespeares großer Liebesgeschichte die Rolle der Julia. Im Märchen „Das kalte Herz“ spielt sie Lisbeth.
Vicki Gummert, Studentin der Kommunikationswissenschaften und Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
z. Z. Praktikantin bei Theater&Philharmonie Thüringen