

Como Vento im Theater des Westens (Foto: Privat)
„… und hier ist sie, die Zukunft der Johanniter-Unfall-Hilfe…“
Nach dieser Anmoderation des Abschlussbildes der großen Johanniter-Gala anlässlich des 60 Geburtstages der JUH, durch Verena Wriedt eroberten ca. 30 Kinder und Jugendliche im Theater des Westens die Bühne. Gekleidet in rote Shirts mit dem Logo der JUH auf der Brust.
Hätte sich hinter ihnen eine Kamera befunden, wäre deutlich sichtbar gewesen, dass da mehr dahintersteckt als auf den ersten Blick zu sehen ist. „Como vento“ steht da auf den Rücken. Das ist portugiesisch, wie es im Heimatland der Samba, in Brasilien gesprochen wird und bedeutet „wie der Wind“; „Aufbau Altenburg“ ist auf den Ärmeln zu lesen und deutlich stechen die Roten Spitzen, Wahrzeichen Altenburgs, des Aufbaulogos, ins Auge.
Bis dieser Moment am späten Abend des 23.04. endlich da war, haben die Sambistas von Como Vento schon eine Menge mehr Abenteuer erlebt, als eigentlich geplant waren.
Gegen Mittag in Berlin angekommen wurden wir zunächst begrüßt, von einem persönlichen Betreuer der Constantin Entertainment, die für die Gestaltung der Johanniter-Gala verantwortlich zeichnete, in Empfang genommen und in unsere Garderobe gebracht. Hier gab es die ersten ratlosen Blicke und ausgelassenen Lacher. Für dreißig Menschen wäre schon Platz gewesen, nur hatte keiner an die riesigen Trommeln gedacht. Also hieß es sich einen Raum suchen, in dem wir die halbe Stunde bis zur ersten Stellprobe verbringen könnten.
Die Künstlerkantine schien wie geschaffen für uns, ausgehungert fielen wir über das Buffet her und freuten uns, als die Regieassistenz uns bat mitzukommen. Nachdem wir durch labyrinthartige Gänge und Treppen gelotst worden waren, standen wir in einem großen Requisitenraum nahe der großen Bühne. „Hier können Sie sich einsingen“ wurde uns beschieden. Etwas ratlos sahen wir uns an, zuckten dann ergeben mit den Schultern und versammelten uns um einen Yamaha-Flügel und stimmten nach kurzer Besprechung „Halleluja“ von Leonard Cohen an. Die Augen der Regieassistentin wurden grösser. Eventuell nicht vor Ergriffenheit, denn als wir fertig waren fragte sie vorsichtig: „Ihr seid wohl gar nicht die Gropiuslerchen?“
Die waren wir ganz sicher nicht, und so ging es wieder auf Wanderschaft in Richtung Kantine. Was tun 30 junge Menschen, die zum Sambatrommeln nach Berlin gefahren sind und sich langweilen? Richtig! Sie trommeln – mit allem was ihnen in die Hände fällt. Sehr zur Erleichterung des Kantinenkochs wurden wir dann doch recht bald zur Stellprobe gerufen.
Dann wurde es ernst. Punkt 17:00 Uhr schlug für Como Vento die große Stunde. Da auch an unserem Auftrittsort niemand mit unserem Platzbedarf gerechnet hatte, räumten wir kurzerhand den für den Sektempfang eingerichteten Spiegelsaal um.
Bald hallten die ersten Sambaklänge durch das Haus. Die Jubiläumsfeier der Johanniter-Unfall-Hilfe war eröffnet! Und alle kamen. Mitarbeiter, Vorstände, Ordensritter um uns zu hören, mitzuwippen und uns den einen oder anderen nach oben gereckten Daumen zu zeigen. Vom manchmal verzweifelten Pausenwinken unseres Betreuers ließen wir uns nur wenig beindrucken, überzogen mehr als einmal die uns zugestandene Spielzeit und genossen den Applaus nach jedem gespielten Stück.
Selten habe ich Como Vento so sprühen sehen vor Energie.
Lange hatten wir gerätselt, wer denn die zu erwartenden Gratulanten aus der Politik seien mögen. Wir rechneten mit Merkel und Gauck. Dass letztlich Familienministerin Schröder und Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckardt zu unseren Zuhörern zählten, Ex-Aussenminister Genscher sich gesundheitsbedingt vertreten lassen musste, spielte nach den ersten Beats nur noch eine untergeordnete Rolle. Die 90 Minuten rückblickendes und ehrendes Bühnenprogramm verfolgten die Altenburger Sambistas von den Rängen aus, ehe sie aufbrachen um sich zum Abschlussbild auf der großen Bühne zu sammeln.

Como Vento im Theater des Westens „… und hier ist sie, die Zukunft der Johanniter-Unfall-Hilfe…“ (Foto: Privat)
Nachdem das Blitzlichtgewitter der Pressfotografen abgeebbt war und sich die Aufmerksamkeit der geladenen Gäste schon Richtung Buffet konzentrierte, gab noch einige kleine aber schöne Momente der Anerkennung für die jungen Leute aus Altenburg. Hans-Peter von Kirchbach – Präsident der JUH, Wolfram Rohleder – Bundesvorstand und S.K.H. Dr. Oskar Prinz von Preußen – Herrenmeister des Johanniter Ordens, schüttelten Altenburger Hände.
Während wir im Anschluss an die Gala noch ein wenig das Haus unsicher machten, gesellte sich Eckhard von Hirschhausen zu unseren älteren Sambistas an die Bar, klopfte Schultern und lobte ausgiebig unser Aufspielen. Zufrieden und erschöpft fielen wir am späten Abend dann in unsere Hostelbetten. Den Dienstagvormittag verbrachten wir mit ein wenig Sightseeing in Berlin, einem Besuch im Naturkundemuseum und traten glücklich erschöpft die Heimreise an. Im Bus wurden nach einer kurzen Schlummerphase indes schon wieder Pläne geschmiedet. Schon einen Tag später stand ein weiterer Studiotermin an. In Berlin hatten sich weitere Engagements abgezeichnet und der bevorstehende Sambasommer wird mit Sicherheit heiß.
Wir danken allen, die diesen unvergesslichen Auftritt möglich gemacht haben: den Johannitern für die Einladung, Aufbau Altenburg für den Reisebusbonus, den Schulleitern und Lehrern für die unproblematische Freistellung unserer Kinder und Jugendlichen, der Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche für die sehr großzügige Spende um für unsere Jüngsten einheitliche Bekleidung anzuschaffen, Eltern, Sambistas, eben allen die uns hören mögen und an dieses lebendige Projekt glauben.
„… und hier ist sie: Die Zukunft der Johanniter-Unfall-Hilfe.“
JRG