
Diplom-Restauratorin Julia Brandenburg bearbeitet eine der großen Säulen im Teehaussaal. (Foto: Ronny Seifarth)
Nach den Bauleuten sind in diesen Tagen die Restauratoren am Werk. Die umfangreichen restauratorische Arbeiten an der barocken Ausstattung des Teehauses laufen auf Hochtouren. Bis zum „Tag des offenen Denkmals“, in diesem Jahr am 9. September, muss alles fertig sein, denn an dem Sonntag sollen sich Teehaus und Orangerie den Besuchern in alter Pracht und Herrlichkeit präsentieren.
Manchmal muss man wegen neuer Erkenntnisse auch altbekannte und eherne geschichtliche Aussagen und Daten revidieren. So auch am barocken Altenburger Teehaus. War man bisher immer davon ausgegangen, dass das Teehaus und die Orangerie im Altenburger Schlosspark im Jahre 1712 fertiggestellt wurden, so muss man neueren Erkenntnissen folgend feststellen, dass die endgültige Fertigstellung und Inbetriebnahme des Teehauses wohl erst um die Mitte des Jahres 1713 erfolgt ist. So fehlten im Jahre 1712 sogar noch die große Freitreppenanlage und Teile des Innenausbaues.
Obwohl das Baujahr 1712 sehr gut zur geplanten diesjährigen Wiedereinweihung nach den umfangreichen Bauarbeiten gepasst hätte, kann man sich nun damit trösten, dass eine 300-Jahrfeier im Sommer des Jahres 2013 sicher auch ein besonderer Höhepunkt im Altenburger Veranstaltungskalender sein wird.
Die restauratorischen Arbeiten im großen Teehaussaal sind in den vergangenen Monaten gut vorangekommen. Unter der denkmalpflegerischen Maßgabe, so viel wie möglich vom außerordentlich wertvollen, 300 Jahre alten Originalbestand des Gebäudes zu erhalten und zu restaurieren, vollbringen nach den Bauleuten nun die Restauratoren ihr Werk. So konnten bereits 12 der ehemals 16 vorhandenen originalen Unterlichtfenster aus dem Jahre 1712 restauriert und wieder eingebaut werden. Diese erstaunlich gut erhaltenen und von den damaligen Handwerkern in sehr hoher Qualität gefertigten Eichenholzfenster mit originalen schmuckvollen Zinnbeschlägen lieferten auch die gestalterischen Vorgaben für die Rekonstruktion der fehlenden Fenster.
Abgeschlossen sind inzwischen auch schon die umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der durch die beiden bekannten italienschen Künstler Domenico und Ludovico Castelli geschaffenen, kunstvollen Stuckdecke mit dem großen Deckenbild. Auch die mit einem sogenannten Marmorinoputz (spezieller polierter Kalkputz als Marmorimitation) versehenen Innenwände des Saales sind bereits weitestgehend bearbeitet. Hier konnte wegen des guten Erhaltungszustandes die östliche Wandfläche im Original belassen und restauriert werden. Alle anderen Wandflächen wurden in ausgezeichneter Qualität originalgetreu rekonstruiert.
Gegenwärtig bearbeiten die Restauratoren die vier großen Säulen im Saal. Hier wurde bei vorbereitenden restauratorischen Befunduntersuchungen unter unzähligen später aufgebrachten Farbschichten eine wertvolle Marmor-Imitationsmalerei entdeckt, die nun an einer Säule restauriert wird. An den drei anderen Säulen wird die Malerei rekonstruiert.
Als letzter großer Arbeitsabschnitt bei den Innenarbeiten werden in den nächsten Tagen die Verlegearbeiten für den neuen, alten Fußboden beginnen. Hier werden Teile des originalen barocken Alabasterbelages, der laut alter Baurechnungen aus dem thüringischen Köstritz stammt, wieder eingebaut und mit neuen Natursteinplatten ergänzt.
Gewissermaßen als Krönung wird, ebenfalls in den nächsten Tagen, dann das im Original erhaltene, restaurierte Schmuckgeländer mit den vergoldeten herzoglichen Initialen auf dem südlichen Altan des Teehauses wieder an seinem alten Platz zwischen den Sandsteinpostamenten montiert.
Jürgen Fröhlich, Untere Denkmalschutzbehörde