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Diplomandin widmet sich bedeutenden Malereien

 

Diplomandin Julia Brandenburg, die an der Fachhochschule Erfurt studiert, hat Teile der bedeutenden Malerei freigelegt und gesäubert. (Foto: Ronny Seifarth)

Die Entdeckung einer bemalten Hauskapelle im „Renaissance-Herrenhaus“ in Oberzetzscha sorgte im Vorjahr für Schlagzeilen. Handwerker hatten die verblichenen Malereien bei vorbereitenden Arbeiten für den Innenausbau im Erdgeschoss in einem Raum mit Kreuzgrat-Gewölbe entdeckt. Die Diplomandin Julia Brandenburg, die an der Fachhochschule Erfurt Konservierung und Restaurierung studiert, widmet sich seit Wochen den bedeutenden Malereien und hat die Aufgabe, ein Konzept für deren konservatorische und restauratorische Bearbeitung zu entwickeln. Betreut wird die angehende Diplom-Restauratorin dabei von dem Diplom-Restaurator Stephan Keilwerth und von Jürgen Fröhlich, Denkmalpfleger in Diensten der Stadt.

Die Malereien sind vermutlich so alt wie das Gebäude selbst, also vor rund 450 Jahren entstanden. Die gut erhaltene Malerei zeigt Motive mit religiöser Bedeutung, vermutlich Heilige und Engel. Fachleute des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie messen dem Befund überregionale Bedeutung zu, weswegen auch die Arbeit der Diplomandin gefördert wird. Es wird vermutet, dass sich der vermögende und offenbar fromme Bauherr in dem Raum, in dem die Malereien jetzt entdeckt wurden, dereinst eine Hauskapelle eingerichtet hatte. Dafür spricht auch, dass Oberzetzscha keine Dorfkirche hat. Nach derzeitigem Kenntnisstand wäre es die einzige bekannte Hauskapelle in einem ländlichen Herrenhaus in Thüringen.

Die ursprünglichen Pläne, in der ehemaligen Kapelle einen Technikraum einzurichten, sind vom Tisch. Vielmehr soll der Raum mit den Malereien nach Abschluss der aufwändigen Instandsetzungsarbeiten der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Diplomandin hat mittlerweile weitere Teile der Malereien freigelegt und gesäubert. Mit einer Probe- beziehungsweise Musterachse, deren Erarbeitung Teil der Diplomarbeit sein soll, soll Julia Brandenburg zeigen, auf welche Art und Weise das Gesamtkunstwerk bearbeitet werden kann. Die Diplomarbeit wird also einen unmittelbaren Nutzen für das Herrenhaus Oberzetzscha haben. So verwundert es nicht, dass auch der Förderverein für das Renaissance-Herrenhaus die Arbeiten der Diplomandin mit 1000 Euro unterstützt.

Mit überraschenden Entdeckungen sorgte das 1567 erbaute Kulturdenkmal in der jüngsten Vergangenheit übrigens schon mehrfach für Aufsehen, so im Januar 2009. Damals stießen Handwerker bei Instandsetzungsarbeiten im ersten Obergeschoss auf gut erhaltene Wandmalereien, die vermutlich aus der Zeit um 1800 stammen. Und bereits Anfang 2006 legten Restauratoren an den Wänden im Obergeschoss des Gebäudes kunstvolle Malereien frei, die Jagdszenen zeigen. Diese Malereien sind vermutlich ebenfalls so alt wie das Haus selbst.


 

Bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse durch die Diplomarbeit zutage gefördert werden. Eine zentrale Frage wird aber wohl unbeantwortet bleiben: Wer war der Künstler, dessen Werke dem Herrenhaus nach 450 Jahren so viel Aufmerksamkeit verschaffen?

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