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Frühjahrswanderung heimischer Amphibien hat begonnen

Landratsamt Altenburg (Foto: der uNi)


Besondere Rücksicht von Autofahrern gefragt wegen wandernden Kröten, Fröschen, Molchen und deren freiwilligen Helfern

Mit steigenden Temperaturen kündigt sich der Frühling an. Dieser beschert uns nicht nur angenehme Temperaturen und prächtige Frühblüher sondern verursacht vielerorts die nicht zu übersehende Massenwanderung unserer heimischen Amphibien zu den Laichgewässern. Auslöser für das instinktive Verlassen der Überwinterungsquartiere sind Nachttemperaturen über 5° Celsius, Regenfälle fördern dieses Verhalten zusätzlich.

Die Bestände aller Arten unserer einheimischen Amphibien sind stark rückläufig und somit in ihrem Bestand besonders bedroht, weshalb sie den strengen Schutzbestimmungen der Bundesartenschutzverordnung unterliegen.
Massive Störung, Zerschneidung und gänzlicher Verlust ihrer Lebensräume gelten als Auslöser des dramatischen Rückgangs der Arten!
Der komplexe Lebenszyklus vieler mitteleuropäischer Lurche und Kriechtiere kann in gestörten Lebensstätten nur noch eingeschränkt oder sogar überhaupt nicht mehr ablaufen.

Der Name Amphibie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Doppellebige“, und erklärt somit, dass die Tiere eine gewisse Zeit ihres Lebens im Wasser verbringen, aber auch verschiedene Landlebensräume benötigen. Dabei verbringen sie ihre Jungendzeit im Wasser und den Rest ihres vergleichsweise kurzen Lebens an Land.

Dabei suchen sie im Frühjahr Gewässer auf, um sich zu paaren und den Laich abzulegen, die restliche Zeit des Jahres verbringen sie, je nach Art, in ganz unterschiedlichen Landlebensräumen, vorzugsweise in Wiesen, Wäldern und sogar in Gartengrundstücken.
Bei der jährlichen Wanderung von den Winterquartieren zu den Laichgewässern lauern besonders große Gefahren für die kleinen Tiere, da sie hierbei gezwungen sind, verkehrsreiche Straßen zu überqueren. Insbesondere in den ersten lauen Frühlingsnächten, in Verbindung mit Regenfällen, folgen die Tiere zu Hunderten ihrem Instinkt und haben oft ohne die helfende Hand des Menschen wenig Möglichkeiten die Straße unversehrt zu überqueren.

An einigen Straßenabschnitten sind seit vielen Jahren fest installierte Amphibienschutzzäune in Verbindung mit Straßenuntertunnelungen eingebaut worden, die den wandernden Tieren ganzjährig ein gefahrloses Unterqueren der Straße ermöglichen sollen.
Diese werden vor Beginn der Amphibienwanderung von Laub und Schmutz befreit, um den wandernden Tieren die Benutzung zu erleichtern. Ebenso wird nach dem Winter kontrolliert, ob Teile der Leitwände beschädigt sind und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Dies geschieht vermehrt durch Verkehrsunfälle oder durch Räumfahrzeuge des Winterdienstes, durch herabstürzende Äste, bedauerlicher Weise aber auch durch absichtliche Zerstörung. Diese Schäden müssen vor der Frühjahrswanderung repariert werden und sind äußerst zeitintensiv. Solche Arbeiten werden in unserem Landkreis durch die Arbeitskräfte des Landschaftspflegeverbandes Altenburger Land e. V. im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde durchgeführt.

An vielen bekannten Wanderstrecken der Amphibien konnten bisher jedoch noch keine dauerhaften ortsfesten Schutzeinrichtungen eingebaut werden, weshalb die Untere Naturschutzbehörde jedes Jahr rechtzeitig vor der zu erwartenden Frühjahrswanderung mobile Schutzzäune errichtet, welche mit Hilfe vieler engagierter ehrenamtlicher Helfer gewartet und betreut werden. Diese niedrigen Schutzzäune werden an den Straßenrändern eingebaut und mit Fangeimern versehen, so dass sich die wandernden Amphibien darin sammeln und nicht auf die gefährliche Verkehrsstraße gelangen könne. Die Eimer werden mehrmals täglich kontrolliert und die darin gefundenen Kröten, Frösche und Molche vorsichtig entnommen. Bevor die Tiere anschließend zu ihrem Laichgewässer transportiert werden, müssen noch Anzahl und Arten in Sammelprotokollen festgehalten werden. Um zu einem späteren Zeitpunkt die Sammelergebnisse auswerten zu können, werden auch tägliche Informationen zu Temperatur und Wetter erfasst. So wurden die Wanderungen seit vielen Jahren verfolgt und erstaunliche Ergebnisse verzeichnet. In den Jahren 1999 und 2000 wurden bisher die zahlreichsten Ergebnisse registriert. Die Anzahl der „geretteten“ Kröten und Frösche lag in diesen Jahren vereinzelt zwischen 2000 und 5800 Tieren. In besonders warmen und feuchten Nächten haben die Sammler bis zu 500 Tiere transportiert, gezählt und bestimmt – diese Arbeit verlangt den ehrenamtlichen Helfern einiges ab. In den darauf folgenden Jahren waren die Zahlen deutlich geringer.

Die von der Unteren Naturschutzbehörde erfassten Wanderstrecken sind während der Amphibienwanderung jeweils mit Warnschildern versehen. Diese sollen die Autofahrer auf die Gefahrenstellen hinweisen und dazu beitragen, durch angepasstes Fahrverhalten Rücksicht zu nehmen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der bedrohten Tiere, sondern insbesondere um Rücksicht auf die ehrenamtlichen Betreuer, welche sich entlang der Straßen aufhalten können, gerade in den frühen oder späten Dämmerungsstunden.

So lautet der Appell von Uta Hoppe von der Unteren Naturschutzbehörde: „Wir bitten alle Kraftfahrer, die an den Wanderstrecken aufgestellten Warnschilder zu beachten und durch eine rücksichtsvolle Fahrweise in den Wanderungsgebieten aktiv zum Schutz unserer Kröten und Frösche beizutragen. Vorrangig in den späten Abendstunden bis in den Morgen sollten sie deshalb langsam fahren, bei warmer und feuchter Witterung ist besondere Vorsicht geboten! Besondere Aufmerksamkeit ist auch geboten zum Schutz der ehrenamtlichen Amphibienzaun-Betreuer während der Kontrolle der Fangzäune!“

Wer Hinweise zu gefährdeten Amphibienwanderstrecken hat, die noch nicht mit Schutzzäunen versehen sind oder wer selbst aktiv im Amphibienschutz mithelfen möchte, kann gern mit der Unteren Naturschutzbehörde in Kontakt treten. Bei Fragen rund um das Thema steht sie gern beratend zur Verfügung:
Telefon: 03447 586-496
Anschrift : Landratsamt Altenburger Land
Lindenaustraße 9
04600 Altenburg

Behördensitz der Unteren Naturschutzbehörde:
Landratsamt Altenburger Land
Amtsplatz 8
04626 Schmölln

Entlang der folgenden Straßen gibt es fest installierte Schutzzäune:

  • K 506 zwischen Sommeritz und Brandrübel (am Speicher Brandrübel)
  • L 1361 Ortsausgang von Brandrübel in Richtung (Kiesgrube Brandrübel)
  • L 2460 im Leinawald/Höhe Märchensee

An folgenden Straßenabschnitten werden für den Zeitraum der Wanderungen zwischen Anfang März bis ca. Ende April mobile Amphibienschutzzäune aufgebaut und betreut:

  • In Lohma (Nöbdenitz) Selkaer Straße zwischen Sprottebrücke und Bahnübergang
    Beerwalde Dorfstraße, Nähe Feuerlöschteich
  • Ortsverbindungsstraße zwischen Wildenbörten und Zagkwitz
  • K 225 zwischen Plottendorf und Treben sowie am Kammerforst und an der Bahnstrecke
  • L 2460 im Nordosten des Leinawaldes, Höhe Märchensee
  • Langenleuba-Niederhain, Wiese hinterm Diska-Einkaufsmarkt/ Weg zum Leinawald
  • L 2464 Ortsausgang Zehma Richtung Mockzig
  • K 203 Niederarnsdorf Richtung Ziegelheim
  • K 203 Nirkendorf, Ortseingang aus Richtung Ehrenhain
  • K 204 Dippelsdorf Richtung Priefel
  • K 212 Monstab Richtung Starkenberg (nur Warnschilder)
  • K 227 Ortsausgang Pahna Richtung Campingplatz
  • K 229 Wilchwitz in Richtung Nobitz
  • K 307 Tegkwitz Richtung Krebitzschen, in Höhe der ehem. Lehmgrube
  • K 501 Hainichen Richtung Köthel in Höhe des Teiches
  • K 601 Saara Richtung Großstöbnitz

Im Auftrag
Luise Ehrhardt, Öffentlichkeitsarbeit

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