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Geboren in Altenburg – Künstlerin Edith Altman ist tot

Edith Altman bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „Six Million Almonds“ im Lindenau-Museum Altenburg, 2003, (Foto: Jens Paul Taubert)


Die Stadt Altenburg hat eine ihrer Töchter verloren: Die 1931 in Altenburg geborene Künstlerin Edith Altmann starb am vergangenen Montag in den USA. Die Stadt Altenburg und das Lindenau-Museum erinnern gemeinsam an die Künstlerin.

„Ich sehe mein Leben nicht als von der Geschichte getrennt an. Geschichte ist in mir“ – reflektierte Edith Altman im Jahre 2001. So setzte sich die Künstlerin auch zeitlebens in ihrem Schaffen mit der jüngeren Geschichte auseinander, was zugleich zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben führte. Eine wesentliche Triebfeder ihres Wirkens war die künstlerische Aufarbeitung der jüngeren (deutschen) Geschichte, hier vor allem der Gräuel des Holocausts. Als Künstlerin jüdischer Herkunft war ihr dies ein besonderes Anliegen. Im Zuge dessen war es auch die Beschäftigung mit der eigenen Herkunft, die die Künstlerin immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Arbeit rückte. Ihre Werke wurden in den großen amerikanischen Galerien ausgestellt. Sie unterrichtete an verschiedenen Kunsthochschulen der USA. In Deutschland war Edith Altman an Ausstellungen der Berliner Akademie der Künste und des Frauenmuseums Bonn beteiligt.

Eine Art „Heimkehr“ erlebte sie, als sie 2003 im Rahmen der Retrospektive „Six Million Almonds“ im Lindenau-Museum noch einmal nach Altenburg zurückkehrte – nach mehr als 60 Jahren. Es wurden Werke aus den verschiedensten Schaffensphasen der Künstlerin gezeigt, die auch hier – unter Verwendung verschiedenster Formen – die eigene Geschichte erörterten. Im Rahmen des Begleitprogrammes arbeitete Edith Altman mit Altenburger Schülern künstlerisch. In Anlehnung an ihr herausragendes, von persönlichen Erfahrungen beeinflusstes Werk, wurde im Jahre 2017 noch einmal im Rahmen einer Hommage im Lindenau-Museum des Wirkens der Künstlerin gedacht.

Zur Person:

Edith Altman wurde 1931 als Tochter von Abraham Markus (Mortko) Hittmann (auch Hüttmann) und dessen Ehefrau Rosa (Ruchla) geboren. Bereits zwei Jahre vor ihrer Geburt hatte ihr Bruder Fred in Altenburg das Licht der Welt erblickt. Abraham Markus Hittmann war im Februar 1928 nach Altenburg gezogen, betrieb hier den „Ledervertrieb Mortko“ und wurde später Vorstandsmitglied der kleinen jüdischen Gemeinde Altenburgs und auch Beirat der Nachmittagsschule im Betsaal in der Pauritzer Straße. Die Familie lebte unweit des Betsaals in der damaligen Friedrichstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße). Edith Altmanns Vater war Opfer der Pogromnacht und zeitweilig im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Unter den vielfältigen Verfolgungsmaßnahmen litt die gesamte Familie. Fred und Edith wurden vom Besuch der öffentlichen Schule ausgeschlossen, nach der Rückkehr des Vaters aus der „Schutzhaft“ wurde der Ausgang aus dem Haus von den Behörden beschränkt. Ediths Vater konnte im Mai 1939 in die USA emigrieren, die Einreisevisa für die anderen Familienmitglieder blieben zunächst aus. Erst Ende August 1939 traten auch Rosa, Fred und Edith Hittmann über die Niederlande und England die Ausreise an. Die wäre fast noch vereitelt worden, als niederländische Grenzer sie am Betreten des Landes hindern wollten. Das Schiff, mit dem ursprünglich die Ausreise erfolgen sollte, wurde von deutschen Truppen torpediert, kurzzeitig saßen die drei Ausreisenden in England fest. Erst Ende Oktober 1939 konnte sich die Familie Hittmann in den USA in die Arme schließen. Die schlimmen Erfahrungen prägten das Leben der Familie nachhaltig und beeinflussten gerade auch Edith Altmans Werk.

Die Stadt Altenburg, das Lindenau-Museum Altenburg und zahlreiche Kunstfreunde werden die Künstlerin in Erinnerung behalten und ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Steven Ritter
Referent für Presse und Marketing

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