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Landkreis sucht liebevolle Pflegeeltern

Fischer, Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes beim Landratsamt Altenburger Land (Foto: LRA)

Im Gespräch mit Martina Fischer, Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes beim Landratsamt Altenburger Land

Im Altenburger Land leben derzeit 78 Kinder in 54 Pflegefamilien. Die Zahl der Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können, ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Dass es diesen Kindern gut geht, sie sich altersgerecht entwickeln sowie sorgenfrei spielen, lachen und lernen können – dafür sucht der Landkreis Altenburger Land Pflegeeltern.

Amtsblatt-Redakteurin Jana Fuchs sprach darüber mit Martina Fischer vom Allgemeinen Sozialen Dienst des Landratsamtes.

Frau Fischer, worin liegen die Ursachen dafür, dass immer mehr Kinder von ihren leiblichen Eltern getrennt und in eine Pflegefamilie vermittelt werden?

M. Fischer: Die Ursachen liegen primär darin, dass meist sehr junge Mütter und Väter mit ihrer eigenen Lebenssituation und mit der Erziehung des Kindes überfordert sind. Oft spielen dabei Alkohol- und Drogenmissbrauch und daraus resultierende psychische Probleme eine gravierende Rolle. Die Eltern selbst oder Mitarbeiter aus Schulen, Kindergärten oder der Familienhilfe wenden sich dann mit der Bitte um Unterstützung an uns. Reichen dann Beratungsgespräche mit den Eltern nicht aus, werden die Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht. Manchmal jedoch ist ein Kind derart akut in Gefahr, dass es sofort zu Pflegeeltern kommt.

Wie lange bleiben die Kinder bei ihren Pflegeeltern?

M. Fischer: Das ist unterschiedlich. Manche Kinder leben zeitlich befristet in einer Pflegefamilie, andere Pflegeverhältnisse wiederum sind auf Dauer angelegt. Unser Ziel ist es, dass die Kinder zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren können. Hierzu sind wir auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen. Können die Erziehungsbedingungen in der Familie nicht nachhaltig verbessert werden, so wird mit den Eltern eine dauerhafte Lebensperspektive für ihre Kinder erarbeitet. Aus einer ursprünglich geplanten Kurzzeitpflege bis zu sechs Monaten kann somit auch eine Dauerpflege werden. 80 Prozent unserer Pflegekinder im Altenburger Land leben in einer Dauerpflege.

Worauf sollten sich Familien einstellen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Pflegekind aufzunehmen?

M. Fischer: Zuerst einmal sollten sie überlegen: Was passt in unsere Lebensplanung? Die einen sagen: Unsere Kinder sind groß, wir möchten uns nicht noch einmal für 15 Jahre festlegen; helfen möchten wir dennoch, aber kurzfristig und überschaubar. Dann könnten sich diese Familien für eine Kurzzeitpflege von bis zu einem halben Jahr entscheiden. Andere wiederum würden ein Kind auch gern über einen längeren Zeitraum betreuen, eine Dauerpflege also. Für jede Pflegefamilie ist es wichtig zu wissen, dass es während der gesamten Zeit der Pflege enge Kontakte mit dem Jugendamt gibt. Andererseits müssen sie aber auch die unbedingt von uns gewünschten Kontakte des Pflegekindes zu seinen leiblichen Eltern zulassen und akzeptieren. Toleranz und Flexibilität sind gefragt. Leibliche Eltern und Pflegeeltern müssen gut zusammenarbeiten. Die von uns vermittelten Kinder sind in der Regel zwischen 0 und 12 Jahre alt. Oft sind sie durch Krisen und Probleme stark belastet und bringen somit ihre eigene Geschichte mit. Häufig zeigen sie unsichere Bindungen und auffälliges Verhalten. Pflegeeltern sollten den Schwierigkeiten liebevoll konsequent entgegentreten können und sich bewusst darüber sein, dass diese Kinder mehr Zeit und Zuwendung benötigen. Dennoch sind aber gerade auch diese Kinder eine Bereicherung und machen das Familienleben bunter.

Welche Voraussetzungen sollte eine potentielle Pflegefamilie erfüllen und wie werden die „Leiheltern“ auf ihre Aufgabe vorbereitet?

M. Fischer: Die Pflegeeltern sollten mit beiden Beinen fest im Leben stehen, über ein geregeltes Einkommen verfügen, ein einwandfreies Führungszeugnis haben und bei guter Gesundheit sein. Die wohnliche Situation sollte genügend Platz für ein Kind hergeben. Und schließlich wäre es günstig, wenn ein Elternteil zu Hause ist oder zumindest nicht Vollzeit arbeitet. Sie sollten viel Zeit, Akzeptanz und Verständnis für das Kind und dessen Geschichte mitbringen. Hierfür ist Offenheit und Toleranz gefragt. Die künftigen Pflegeeltern werden von uns auf ihre neue Herausforderung intensiv vorbereitet. Es gibt mehrere Gespräche, umfassendes Informationsmaterial, Einzelgespräche mit dem Paar. Schließlich absolvieren die künftigen Pflegeeltern eine Pflegeelternschule, die sechs Themenabende umfasst.

Auf welche Art und Weise unterstützt der Landkreis die Pflegefamilien?

M. Fischer: Wir begleiten die Pflegefamilie fortlaufend, dass heißt angefangen von der Anbahnung einer Pflege über die Eingewöhnungsphase des Kindes bis hin zu regelmäßigen Hausbesuchen sowie Gesprächen im Kindergarten oder in der Schule. Zudem bieten wir den Pflegeeltern sechs Mal im Jahr eine thematische Fortbildung an, darüber hinaus auch psychologische Beratungsgespräche sowie verschiedene Kinderfreizeitveranstaltungen. Was den finanziellen Aspekt anbetrifft, so sorgen wir dafür, dass der Lebensunterhalt des Kindes gesichert ist.


Sie möchten Pflegefamilie werden oder benötigen noch mehr Informationen?

Dann sind Sie recht herzlich zum Informationsabend am 7. Juni 2011, 18:00 Uhr, ins Jugendamt, Zeitzer Straße 76 a, Zimmer 42 a, eingeladen.

Individuelle Beratung erhalten Sie beim:

Landratsamt Altenburger Land
Jugendamt
Zeitzer Straße 76 a
04600 Altenburg

Ihre Ansprechpartner:

Martina Fischer
Telefon: 03447 586-733

Ingrun Hausmann
Telefon: 03447 586-735

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