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Zecken lauern beinahe überall

Landratsamt Altenburg (Foto: der uNi)


Unmittelbare Nachbarkreise des Altenburger Landes sind Risikogebiete

Auch der vergangene vergleichsweise milde Winter war wieder extrem zeckenfreundlich. Denn aktiv werden Zecken schon bei Temperaturen von über 8 Grad Celsius. Und sie sind extrem zäh: sie können zwei Jahre hungern, überleben einen Vollwaschgang bei 60 Grad Celsius und eine Nacht im Gefrierfach. Erst bei minus 20 Grad Celsius werden sie getötet. Deshalb ist eine Folge der milden Winter, dass Zecken nicht mehr nur im Sommer, sondern zunehmend ganzjährig aktiv sind. Schon jetzt seien die ersten Fälle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) aufgetreten, informiert Amtsarzt Professor Doktor Stefan Dhein und rät zur Vorsicht.

Zwar lag 2019 die Zahl der FSME-Erkrankungen bundesweit mit insgesamt 444 Fällen etwas unter der Vorjahreszahl (584). Doch das FSME-Verbreitungsgebiet hat sich weiter vergrößert. Mittlerweile gelten 164 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete. Dazu gehören aktuell auch elf Thüringer Kreise, darunter der Kreis Schmalkalden-Meiningen, der Ilm Kreis oder Suhl. “Der Landkreis Altenburger Land gehört nicht dazu, wohl aber die Nachbarkreise Greiz, Gera und Zwickau“, erklärt Amtsarzt Professor Dhein und nennt außerdem den sächsischen Vogtland- und Erzgebirgskreis.

Die Lebensweise der Zecke

Zecken, die zu den Spinnentieren gehören, sind ein bis zwei Millimeter kleine blutsaugende Parasiten. Am Kopf sind sie mit einem Stechrüssel und Widerhaken “ausgerüstet”. Sie sind im Gebüsch, in hochgewachsenen Gräsern, im Unterholz, in Hecken und am Rande von Waldlichtungen zu finden.

Dort warten sie, mitunter über Wochen, bis ein Warmblüter vorbeikommt, den sie als Wirt nutzen können. Bei den Wirten suchen die weiblichen Zecken dann gern warme und feuchte Stellen des Körpers auf, um ihren Stechrüssel in die Haut zu bohren. Da der Speichel der Zecke eine betäubende Substanz enthält, bleiben Zeckenstiche häufig unbemerkt. Derweil verhindern die Widerhaken, dass sie beim Saugen herausrutscht.

Zecken können so unentdeckt über Tage Blut saugen, wobei ihre anfangs winzigen Körper nicht selten bis auf einen Zentimeter Durchmesser anschwellen. Beim Blutsaugen können Zecken Bakterien und Viren aufnehmen, die sie auf den nächsten Wirt, Tier oder Mensch, übertragen können.

In Mitteleuropa übertragen Zecken Bakterien, die Lyme-Borreliose auslösen und Viren, die zu Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen. Doch natürlich verursacht nicht jeder Zeckenstich eine der Krankheiten. Rund 90 Prozent der Zeckenstiche bleiben ohne Folgen. Und lediglich 5 bis 35 Prozent aller Zecken in Europa tragen Borrelien-Erreger in sich, bei der FSME sind es nur 0,1 bis 5 Prozent

Die Lyme-Borreliose

Nach einem Zeckenstich kann sich die Einstichstelle entzünden. Bildet sich dann ein roter, scharf umrandeter Fleck, der sich nach und nach vergrößert (Erythema migrans), der zudem im Zentrum eine Aufhellung aufweist, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn diese Symptome können ein erster typischer Hinweis auf eine Borreliose sein.

Die Lyme-Borreliose, die in späteren Phasen auch Gelenke und das Nervensystem betreffen kann, ist auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet. Deshalb ist von einer Infektionsgefährdung in allen Teilen Deutschlands auszugehen, allerdings fehlen dazu flächendeckende wissenschaftliche Untersuchungen.

Die Behandlung einer Borreliose mit Antibiotika (Tetrazykline wie Doxycyclin) ist in der Frühphase am erfolgreichsten. Darüber hinaus laufen seit Jahren Forschungen für die Entwicklung einer Impfung. Doch bisher ist es nicht gelungen, einen wirksamen und verträglichen Impfstoff gegen Borreliose zu finden.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis

Die andere Erkrankung, die übertragen werden kann, ist die FSME, eine Gehirnhautentzündung, die bei manchen Patienten bleibende Schäden hinterlässt. Sollte es sieben bis 14 Tage nach einem Zeckenstich zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindelgefühl kommen, könnte es sich um eine FSME-Erkrankung handeln. Am häufigsten treten diese übrigens zwischen Mai und Juli auf.

Eine spezielle Therapie gegen das FSME-Virus steht nicht zur Verfügung. Es erfolgt eine Behandlung der Symptome. Ein Schutz gegen FSME ist aber durch eine Impfung möglich. Die Impfung ist sehr zu empfehlen, vor allem für alle, die sich gerne im Freien, im Wald oder Garten aufhalten. Aber selbst in den Risikogebieten Thüringens liegen die Impfquoten oft unter 50 Prozent.

Tipps zum Schutz vor Zecken

Der beste Schutz vor Borreliose oder der FSME ist natürlich, Zeckenstiche zu vermeiden. So sollten, um eventuell anhaftende Zecken besser zu sehen, helle Hemden oder Blusen mit langen Ärmeln und Hosen mit langen Beinen getragen werden. Hilfreich sind zudem geschlossene Schuhe und über die Hosenbeine gezogene Strümpfe. Unbekleidete Haut kann ferner mit einem insektenabweisenden Mittel (Repellent) eingerieben werden. Leider haben diese Wirkstoffe aber nur eine zeitlich begrenzte Wirkung.

Nach einem Aufenthalt im Freien wird die Kleidung am besten über der Badewanne oder in der Dusche ausgeklopft. Dazu sollte der Körper systematisch nach krabbelnden oder eingedrungenen Zecken, vor allem an den Beinen, unter den Armen, um den Nabel herum und an Kopf, Hals und Ohren abgesucht werden.

Nach einem Zeckenbiss

Während die Borrelien-Bakterien erst nach einigen Stunden von Zecken übertragen werden, sind FSME Viren schon zu Beginn des Saugaktes ansteckend. Daher ist es wichtig, die Zecken so früh wie möglich zu finden und vorsichtig mit einer Zeckenpinzette oder einer Zeckenkarte knapp über der Einstichstelle zu entfernen. Keinesfalls darf die Zecke gequetscht oder gedreht werden. Auch alte Hausmittel wie Öl oder Klebstoff dürfen nicht verwendet werden, denn die Zecken entleeren im „Todeskampf“ ihren Darminhalt, erbrechen sozusagen die Erreger, in die Haut des Wirtes.

Nach einem Zeckenbiss sollte die Einstichstelle sorgfältig mit einem Desinfektionsmittel behandelt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Sinnvoll ist darüber hinaus, wenn die Stichstelle mit einem Kugelschreiber markiert wird, um sie Tage später wieder zu finden und um Veränderungen der Größe zu erkennen. Weil in der Haut verbleibende Körperteile von Zecken ebenfalls zu Entzündungen führen können, sollten diese nicht mit Gewalt entfernt werden, sondern fachmännisch vom Arzt.

Weitere Informationen
Ausführlich beraten zum Thema Zecken auch die Hausärzte und der Fachdienst Gesundheit des Landratsamtes.

Jörg Reuter
Öffentlichkeitsarbeit

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