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Zecken lauern fast überall

Altenburger Land


Der Fachdienst Gesundheit des Landratsamtes informiert

Der diesjährige vergleichsweise milde Winter galt als extrem zeckenfreundlich und die ersten Erkrankungsfälle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) traten dieses Jahr bereits auf. Die Folge solcher Winter ist, dass Zecken nicht nur im Sommer sondern zunehmend ganzjährig aktiv sind. Im vergangenen Jahr 2017 erreichte die Zahl der FSME-Erkrankungen in Deutschland mit insgesamt 485 Erkrankungen ein erneutes Hoch. Auch hat sich das Verbreitungsgebiet weiter vergrößert. „In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, einzelne Gebiete in Hessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und im südöstlichen Thüringen, neu auch im Ilm Kreis und im Kreis Suhl, mit dem Vogtlandkreis, dem Erzgebirgskreis und dem Kreis Zwickau auch in Sachsen. In den letzten Jahren hat sich die FSME weiter ausgebreitet, so dass aktuell 156 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiet definiert sind. Der Landkreis Altenburger Land gehört nicht dazu, wohl aber die Nachbarkreise Greiz, Gera und Zwickau“, erklärt Professor Dr. Dhein, Amtsarzt des Altenburger Landes.

Zecken sind ein bis zwei Millimeter kleine blutsaugende Parasiten aus der Familie der Spinnentiere, haben somit im ausgewachsenen Stadium acht Beine. Am Kopf sind sie mit einem Stechrüssel und Widerhaken ausgerüstet. Sie sind zu finden im Gebüsch, in hochgewachsenen Gräsern, im Unterholz, in Hecken und am Rande von Waldlichtungen. Dort warten sie, mitunter über Wochen, bis ein Warmblüter vorbeikommt, den sie als Wirt benutzen können. Die Weibchen lassen sich gerne an warmen feuchten Stellen des Körpers nieder, um dort ihren Stechrüssel in die Haut zu bohren. Widerhaken verhindern, dass die Zecke während des Saugvorgangs heraus-rutscht. Nun kann sich das Weibchen, wenn es unentdeckt bleibt, über Tage mit Blut vollsaugen und erlangt damit eine Größe bis zu einem Zentimeter. Da der Speichel der Zecke eine betäubende Substanz enthält, bleiben die Zeckenstiche häufig unbemerkt. Richtig aktiv werden Zecken bei Temperaturen über 8-10 Grad Celsius. Ze-cken sind extrem zäh: sie können zwei Jahre lang hungern, überleben einen Vollwaschgang bei 60°C und eine Nacht im Gefrierfach bei -8°C. Erst bei -20°C werden sie getötet. Während des Blutsaugens können Zecken Bakterien und Viren aufnehmen, die beim nächsten Stich wieder auf Tiere und Menschen übertragen werden können.
In Mitteleuropa gehören zu den durch Zecken übertragenen Krankheiten die Lyme-Borreliose (Bakterien) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME (Viren). Aber nicht jeder Zeckenstich verursacht eine Krankheit. Etwa 5 bis 35 Prozent aller Zecken in Europa haben Borrelien-Erreger, bei der FSME sind es etwa 0,1 bis 5 Pro-zent. Etwa 90 Prozent der „infizierten“ Zeckenstiche bleiben ohne Folgen.

Nach einem Zeckenstich kann sich die Stichstelle entzünden. Sie bildet dann einen roten, scharf umrandeten Fleck, der sich nach und nach vergrößert (Erythema migrans) und im Zentrum eine Aufhellung aufweist. Spätestens jetzt sollte ein Arzt aufgesucht werden, denn diese Form der Entzündung kann ein erster typischer Hinweis auf die Borreliose sein. In späteren Phasen kann die Borreliose dann Gelenke und auch das Nervensystem betreffen. Die Lyme-Borreliose ist auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet. Es ist von einer Infektionsgefährdung in allen Teilen Deutschlands auszugehen, allerdings fehlen dazu flächendeckende wissenschaftliche Untersuchungen. Die Behandlung einer Borreliose mit Antibiotika (Tetrazykline wie Doxycyclin) ist in der Frühphase in der Regel am erfolgreichsten. Forschungen für die Entwicklung einer Impfung gegen Borreliose laufen seit Jahren. Doch bisher ist es nicht gelungen, einen wirksamen und verträglichen Impfstoff zu entwickeln.

Die andere Erkrankung, die übertragen werden kann, ist die FSME, eine Gehirnhautentzündung, die auch bleibende Schäden hinterlassen kann. Sollte es 7 bis 14 Tage nach einem Zeckenstich zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber, Kopf-schmerzen, Erbrechen und Schwindelgefühl kommen, könnte es sich um eine FSME-Erkrankung handeln.
Eine spezielle Therapie gegen das FSME-Virus steht nicht zur Verfügung. Es erfolgt eine Behandlung der Symptome. Aber man kann sich mit einer aktiven Schutzimpfung gegen FSME schützen.

Ein wichtiger Grundsatz zum Schutz vor Borreliose oder der FSME ist, Zeckenstiche nach Möglichkeit zu vermeiden. Getragen werden sollten deshalb helle Hemden oder Blusen mit langen Ärmeln und Hosen mit langen Beinen, die Strümpfe werden über die Hosenbeine gezogen und die Schuhe sollten geschlossen sein. Die Kleidung wird nach einem Aufenthalt im Freien am besten über der Badewanne oder in der Dusche ausgeklopft, um eventuelle anhaftende Zecken besser zu sehen.

Die unbekleidete Haut kann mit einem Insekten abweisenden Mittel (Repellent) eingerieben werden. Leider haben diese Mittel aber nur eine zeitlich begrenzte Wirkung. Systematisch sollte der Körper immer nach krabbelnden oder eingedrungenen Zecken, vor allem an den Beinen, unter den Armen, um den Nabel herum und an Kopf, Hals und Ohren abgesucht werden.

Während die Borrelien Bakterien erst nach einigen Stunden beginnen übertragen zu werden, werden die FSME Viren schon zu Beginn des Saugaktes übertragen. Daher ist es wichtig, die Zecken so früh wie möglich zu erkennen und vorsichtig mit einer Zeckenpinzette oder einer Zeckenkarte knapp über der Einstichstelle zu entfernen. Keinesfalls darf die Zecke gequetscht oder gedreht werden, alte Hausmittel wie Öl oder Klebstoff dürfen nicht verwendet werden, denn die Zecken entleeren im „Todeskampf“ ihren Darminhalt, dem Sitz der Borrelien-Erreger, in die Haut. Die Einstichstelle muss anschließend sorgfältig mit einem Desinfektionsmittel behandelt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hilfreich ist, wenn die Stichstelle mit einem Kugelschreiber markiert wird, um diese auch nach Tagen problemlos wieder zu finden oder um eine Veränderung der Größe zu erkennen. Da in der Haut verbleibende Körperteile der Zecke zu Entzündungen führen können, sollten sie nicht mit Gewalt entfernt werden. Ein Arzt kann diese Reste fachmännisch entfernen. Beratung zum Thema Zecken erhalten alle Interessierte von ihren Hausärzten und vom Fachdienst Gesundheit des Landratsamtes.

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