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Das Lindenau-Museum informiert: Nur die Paradiestür bleibt

Das Interim „Kunstgasse 1“ (Foto: Lindenau-Museum)


Das Lindenau-Museum wird ab 2020 vollständig saniert. Nun beginnt der komplette Umzug in das Interim „Kunstgasse 1“ in Altenburg

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein altehrwürdiges weltbekanntes Kunstmuseum mit dem ganzen Inventar und allen Sammlungen aus dem Bestandsgebäude auszieht, um Baufreiheit für eine komplette Sanierung und Neueinrichtung zu schaffen, die 2023 abgeschlossen sein soll. Es ist ein spektakulärer Exodus von tausenden Objekten, aber auch der gesamten Büroeinrichtung der Mitarbeiter bis hin zum Kaffeelöffel. Im Lindenau-Museum Altenburg ist das in den nächsten Wochen und Monaten zu erleben. Im April 2020 beginnen die Bauleute dann im leeren Gebäude zu arbeiten. Alles, was man bewegen kann, wird in die Hand genommen. Alles? Nein, ein einziges Exponat verbleibt im Gebäude. Der mächtige Abguss der „Paradiestür“ aus dem Baptisterium in Florenz von Lorenzo Ghiberti wird verschalt und gesichert. Für Direktor Roland Krischke ist das eine tröstliche Aussicht: „Es ist schön, dass mit der Paradiestür ein exklusiver Wächter während der Bauarbeiten im Gebäude verbleibt und es freut mich besonders, dass man das durchaus auch symbolisch verstehen kann: Das Lindenau-Museum ist eines der wenigen Häuser mit direktem Zugang zum Paradies und er bleibt unsichtbar während der Bauphase erhalten.“

Das Gesamtprojekt

Im November 2018 wurde bekannt, dass Bundesrepublik Deutschland und Freistaat Thüringen die Sanierung und Erweiterung des Lindenau-Museums in den nächsten Jahren mit insgesamt 48 Millionen Euro fördern. Die Maßnahme umfasst zunächst die Sanierung des Lindenau-Museums. Dort wird es mehr Ausstellungsfläche geben und mehr Platz für die traditionsreiche Kunstschule des Museums. Aber es wird auch Barrierefreiheit geschaffen und eine Klimatechnik eingebaut. Zusätzlich werden neue Bereiche für Kasse und Shop sowie zeitgemäße Sanitäranlagen eingerichtet. Möglich wird das alles durch die Auslagerung von Depots, Werkstätten, Büros und Grafischer Sammlung in den Herzoglichen Marstall am anderen Ende des Altenburger Schlossparks. Da die Planungen dafür erst im nächsten Jahr beginnen, benötigt das Lindenau-Museum ein Interim, das in dem sogenannten „Altenburger City Center“ in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes gefunden wurde. Die Adresse ist Programm: „Kunstgasse 1“ wird der Name dieser zeitweiligen Bleibe des Lindenau-Museums sein.

Das Interim „Kunstgasse 1“
In der „Kunstgasse 1“ werden ein großes Depot für Gemälde, Plastik, Grafik und Bücher untergebracht, eine Dauerausstellung von ca. 200 Quadratmetern, in der die Sammlungen des Lindenau-Museums vorgestellt werden, ein Schaudepot für die Gipsabguss-Sammlung, die Werkstätten für die Restauratoren und das Studio Bildende Kunst (Kunstschule) mit Keramikwerkstatt, Zeichen-Atelier, Druckwerkstatt und einem Vortragsraum. Auch die Büros der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden im Gebäude Platz (Zugang Hillgasse 15).

Nicht alle Kunstwerke kommen in der „Kunstgasse 1“ unter. Ein zweites Depot bezieht das Lindenau-Museum mit seinen Schätzen in Südthüringen.

Es ist das Ziel, die wichtigen öffentlichkeitswirksamen Funktionen des Museums während der Sanierung aufrechtzuerhalten: Dauerausstellung, Kunstvermittlung und Kunstschule.

Auch in Zukunft soll theoretischer und praktischer Kunstunterricht für alle Klassenstufen und natürlich der Museumsbesuch für die Kleinsten möglich sein. Die Kooperationen mit den Schulen der Region, den Weiterbildungseinrichtungen (u. a. Innova Sozialwerk e.V.), den Kliniken (u.a. Klinik für Psychiatrie) werden aufrechterhalten.

Das Studio wird alle bisherigen Angebote auch in den neuen Räumen im Interim weiter durchführen. Neben den Kursen werden auch Workshops und Projekttage, öffentliche Werkstätten und Familientage in Zukunft angeboten.
Sonderausstellungen wird es in den kommenden Jahren in Altenburg auch geben, aber in eingeschränkter Form, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vornehmlich die Dauerausstellungsbereiche des neuen Lindenau-Museums und die Einrichtung des Erweiterungsgebäudes Herzoglicher Marstall vorbereiten werden.

Die berühmten Kunstwerke des Museums werden nicht die ganze Zeit im Depot verschwinden. Eine große Auswahl der Sammlung „Frühe italienische Malerei“ wird vom Februar bis November 2020 beispielsweise in Saarbrücken zu sehen sein und anschließend ab Dezember 2020 in Chemnitz. Eine Auswahl von Architekturmodellen wird in Jena gezeigt. Weitere Ausstellungen sind in Vorbereitung, Einzelexponate werden nach Lissabon oder Amsterdam ausgeliehen.

Zeitplan

Ab 3. Dezember 2019 ziehen die Mitarbeiter in ihre neuen Büros um. Mitte Dezember beginnt der Transport der Kunstwerke, der sich bis in den März ziehen wird. Am 2. Januar 2020 schließt das Lindenau-Museum, nur die die Kunstschule, das Studio Bildende Kunst, begrüßt Kursteilnehmer noch bis Ende Januar. Das Studio schließt im Februar und wird im März 2020 an neuer Stätte in der Kunstgasse 1 seine Arbeit fortführen.

Am 4. April 2020 öffnet das mittlerweile leere Museum ein letztes Mal seine Türen, um einen letzten Blick auf das „alte“ Museum zu ermöglichen. Anschließend beginnen die Bauarbeiten.

Im Rahmen der Altenburger Museumsnacht am 13. Juni 2020 wird das Interim „Kunstgasse 1“ mit einer Dauerausstellung eröffnet.

Was alles umgezogen wird

Umziehen werden nicht nur die Mitarbeiter sondern vor allem:

  • 1200 Gemälde, darunter die kostbaren frühitalienischen Tafelbilder (Werke aus dem 13. bis 16. Jh.),
  • 400 antike Vasen
  • 50.000 Arbeiten auf Papier (Zeichnungen, Grafiken, Fotografien usw.)
  • ca. 30 Architekturmodelle und eine Reihe von kleineren Sammlungen wie Aegyptica u. a.
  • ca. 100 Plastiken des 18. bis 21. Jahrhunderts
  • 2200 Bände der wertvollen historischen Kunstbibliothek Bernhard August von Lindenaus
  • 85 vollplastische Gipsabgüsse von Meisterwerken der Antike und Renaissance
  • 160 Gipsreliefs
  • 35.000 Bücher der wissenschaftlichen Forschungsbibliothek des Museums

Unsere neue Adresse
Lindenau-Museum Altenburg
Kunstgasse 1
04600 Altenburg

Öffnungszeiten bis 1.1. 2020:
Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag, feiertags 10 bis 18 Uhr
24. 12. und 31. 12. geschlossen
1. 1. 2020 14 bis 18 Uhr geöffnet
ab 2. 1. 2020 geschlossen

Öffnungszeiten ab 13. Juni 2020
Dienstag bis Sonntag, feiertags 12 bis 18 Uhr

Veranstaltungsprogramm bis 1.1. 2020

Montag, 2.Dezember, 18.30 Uhr
Vortrag
Ein Bild weniger?
Zur Rückgabe eines Gemäldes von Wojciech
Kossak an die rechtmässigen Besitzer
Sarah Kinzel, Provenienzforschung

Donnerstag, 5. Dezember, 18.30 Uhr
Themenabend
Vom Objekt zum Subjekt? Die Frau in der antiken und heutigen Gesellschaft
Vorträge von Dr. Stephanie Pearson
(Humboldt-Universität zu Berlin)
und Christine Rietzke
(Frauenkultur Leipzig e.V.)
Moderation der anschließenden Diskussionsrunde:
Elisabeth Kaiser, MdB
In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen

Donnerstag, 12. Dezember, 18.30 Uhr
Kunst und Glaube – Bildbetrachtung in der Sammlung „Frühe italienische Malerei“
„Mit den Heiligen Drei Königen auf dem Weg zur Krippe“
Pfarrer Uwe Flemming und Dr. Benjamin Rux im Gespräch

Sonntag, 15. Dezember, 15 Uhr
Führung
Mit den Waffen einer Frau – Furchtlose Frauengestalten in der Antike
Victoria Kubale

Mittwoch, 25. Dezember (1. Weihnachtsfeiertag), 15 Uhr
Führung
„…und das ist die Kunst, die man Malen nennt.“ (C. Cennini, um 1400)
Frühe italienische Malerei im Lindenau-Museum
Angelika Forster

Freitag, 27. Dezember, 15 Uhr
Familienführung
Anfassen, Sehen, Riechen, Schmecken – Appell an die Sinne
Jacqueline Glück und Susann Schade

Sonntag, 29. Dezember, 15 Uhr
Führung
Alexander von Humboldt und Bernhard von Lindenau
Sabine Hofmann

Mittwoch, 1. Januar 2020
„Still ist’s im Museumssaal.“
Abschiedsführung vor der Sanierung des Lindenau-Museums
Dr. Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums Altenburg

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