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Der Leuchtturm an der Blauen Flut

Lindenaumuseum Altenburg (Foto: der uNi)

Am 12. Juli 2017 stellte der Direktor des Lindenau-Museums Altenburg, Dr. Roland Krischke, in Anwesenheit von Landrätin Michaele Sojka und dem hauptamtlichen Beigeordneten Matthias Bergmann den Vertretern der Medien seine Neukonzeption für das Lindenau-Museum vor, die den Titel trägt: „Der Leuchtturm an der Blauen Flut – Das neue Lindenau-Museum und die Altenburger Trümpfe“.

Das Lindenau-Museum gehört seit 2001 zu den sogenannten Leuchttürmen in den Neuen Ländern. Paul Raabe wies dem Museum in seinem „Blaubuch“ damals einen „internationalen Rang“ wegen seiner einzigartigen Sammlung von 180 frühitalienischen Tafelbildern zu. In Thüringen steht das Lindenau-Museum als kultureller Leuchtturm in der sogenannten „Konferenz nationaler Kultureinrichtungen“ auf einer Höhe mit der Wartburg in Eisenach, der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und der Klassik Stiftung Weimar.

Krischke strich in einem Plädoyer die außerordentliche Bedeutung des Lindenau-Museums hervor. Die Sammlungen vom Altertum bis ins 19. Jahrhundert seien von Bernhard von Lindenau als exquisites Anschauungsmaterial für die noch wenige Wochen vor dem Museum 1848 gegründete Kunstschule erworben worden, die noch heute als „Studio Bildende Kunst“ besteht. Neben der „Italiener“-Sammlung gehören antike Vasen, die bekannte Abguss-Sammlung von Plastiken der Antike und der Renaissance, Gemälde und eine außergewöhnliche Kunstbibliothek zum Bestand des Hauses. Im 20. Jahrhundert wurden die Sammlungen bedeutend erweitert um Grafik, Gemälde und Plastik vor allem aus der Zeit des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Künstler aus dem Osten Deutschlands sind in der Sammlung sehr präsent, zu nennen ist vor allem die weltweit größte Sammlung von Werken Gerhard Altenbourgs.

Das Lindenau-Museum sei in der Lage, anhand seiner Exponate die gesamte Kunstgeschichte vom Altertum bis zur Gegenwart zu erzählen. Es erhalte für alle Sammlungsbereiche Leihanfragen aus Europa und den USA und wolle noch stärker als bisher mit Universitäten, Hochschulen und deutschen wie internationalen Museen zusammenarbeiten, um auf diese Weise die Sammlungen zu erforschen und bekannter zu machen.

Eine Voraussetzung dafür seien aber sowohl bauliche wie strukturelle Maßnahmen, die in der Neukonzeption formuliert werden.

Dem Lindenau-Museum fehlten Klimatechnik, zeitgemäße sanitäre Anlagen, ein Aufzug, ausreichende Ausstellungsflächen, angemessene Flächen für Depots und Mitarbeiterbüros sowie ein moderner Kassen- und Shop-Bereich.

Behoben werden sollen diese Mängel durch eine grundlegende Sanierung des Lindenau-Museums und durch die die Einrichtung des Herzoglichen Marstalls im Besitz der Stadt Altenburg, am anderen Ende des Schlossparks, als Depot-, Büro-, Werkstätten- und Ausstellungsgebäude in gemeinsamer Nutzung mit dem Altenburger Residenzschloss.

Im Herzoglichen Marstall könnten die Werkstätten der Restauratoren von Schloss und Lindenau-Museum, ein Schaudepot im ehemaligen Stall, die Verwaltung des Lindenau-Museums und Ausstellungsbereiche für die Grafik untergebracht werden. Es entstünde so ein weiteres Kulturjuwel im Altenburger Schlosspark im Reigen der Trümpfe Lindenau-Museum, Naturkundemuseum Mauritianum, Teehaus und Orangerie, Residenzschloss und Landestheater, um nicht auch noch Hofgärtnerei und Alte Försterei zu nennen.

Anmerkung der Redaktion - wäre es nicht vielleicht sinnvoller den Marstall als Kultur und Markthalle zu nutzen statt 
als Depot ? Der ehemalige Pferdestall könnte dazu ganzjährig genutzt werden um verschiedene Ausstellungen, Marktstände 
für zum Beispiel - Weihnachtsmarkt, Frühlingsmarkt, Bauernmarkt oder wie schon bekannt als Kreativmesse zu nutzen. 
Eine parallele Nutzung durch Schloss und Lindenau-Museum wäre natürlich eine kulturelle Bereicherung!

Bei der Prüfung dieser angedachten Maßnahmen arbeiteten Freistaat Thüringen, Landkreis Altenburger Land und die Stadt Altenburg Hand in Hand. Auch mit dem Bund liefen Gespräche. Die Neukonzeption sei ein weit entwickeltes Diskussionspapier, das nun vor allem durch Machbarkeitsstudien (Marstall und Lindenau-Museum) sowie Gespräche mit Architekten und Denkmalschützern weiter verfeinert werden müsse.

Es sei wichtig zu verstehen, dass die Neukonzeption nicht nur die Notwendigkeit von Baumaßnahmen aufzeige, die Krischke, ohne den Architekten dabei vorgreifen zu wollen, für das Lindenau-Museum vorsichtig mit 8 Millionen und für den Marstall mit 20 Millionen schätzte. Teil der Neukonzeption sei auch die Fragestellung, wie das Lindenau-Museum zwei Häuser betreiben könne. Dies sei nur möglich mit einem erweiterten Mitarbeiterbestand und deutlich erhöhten Zuwendungen, um die dann deutlich steigenden Betriebskosten zu stemmen.

All das sei keine verstiegene Forderung, sondern eine logische Folge der historischen Entwicklung, in der das Lindenau-Museum immer weniger Mittel und immer weniger Mitarbeiter zur Verfügung hatte.

Dass das Museum noch immer einen so guten Stand in der Kunstwelt habe und sich eines internationalen Renommees erfreue, hänge nur damit zusammen, dass die wenigen Mitarbeiter sich völlig mit dem Museum identifizierten und oft Aufgaben bewältigten, die weit über ihr Stellenprofil und das normale Maß hinausgingen. Keiner frage nach Überstunden oder Mehraufwand, wenn Not am Mann und an der Frau sei. Im Team seien immer wieder außergewöhnliche Ausstellungen realisiert und Buchpublikationen vorgelegt worden. Auch das reiche Veranstaltungsprogramm und das vielfältige Angebot des Studios Bildende Kunst seien für eine Einrichtung dieser Größe absolut ungewöhnlich. Mittlerweile aber sei eine Grenze des Machbaren und der Belastbarkeit erreicht. Um im Konzert der bedeutenden Kultureinrichtungen Thüringens einen führenden Part übernehmen zu können, müsse ein Umdenken erfolgen und Versäumnisse der Vergangenheit wettgemacht werden.

Dabei sieht Krischke den Träger, den Landkreis Altenburger Land, der sich des Museums immer vorbildlich angenommen habe, nicht in erster Reihe sitzen. Eine Zukunftslösung könne nur mit stärkerer finanzieller Unterstützung des Freistaates und mit einer wohlwollenden Einflussnahme des Bundes gefunden werden.

Positive Signale seien sowohl vom Bund als auch vom Freistaat schon ausgesendet worden. Konkrete Schritte müssten nun in der nächsten Zeit vereinbart werden.

In einem ersten Schritt soll das Lindenau-Museum in einer Wiederbelebung der nie erloschenen Lindenau-Zachschen Stiftung in eine vom Landkreis abhängige Lindenau-Stiftung umgewandelt werden. Entsprechende Vorlagen, das bestätigte auch Landrätin Sojka, lägen schon bei den Juristen. In Zukunft könnte dann eine selbständige Stiftung in Trägerschaft des Freistaates, des Landkreises und der Stadt Altenburg eine Lösung sein, um dem Museum eine Selbständigkeit zu geben, die ihm, dem Rang seiner Sammlungen nach, gebühre.

Flankiert werden müsse eine Aufwertung des Lindenau-Museums und des Schlossparks aber vor allem auch von infrastrukturellen Maßnahmen für das Areal um das Museum. Ein Museumsbesuch gilt nicht nur dem ästhetischen Genuss, er ist eine Freizeitaktivität, bei der auch die Erholung und das Kulinarische nicht zu kurz kommen dürften. „Kein Botticelli ohne Bienenstich“, brachte Krischke das Phänomen auf den Punkt. In dieser Hinsicht habe es der Besucher von Altenburg in diesem Teil der Stadt noch schwer. Da sei die Stadt Altenburg gefordert.

Angesichts der Offenheit und Gesprächsbereitschaft der beteiligten Entscheidungsträger blickt Krischke positiv in die nächste Zukunft, die er als ein Leuchtturmwärter mit dem Lindenau-Museum gehen möchte, der das Haus zum Strahlen bringt: „Nur wenn wir das Licht der Kultur weit hinaus ins Land senden, kann das Lindenau-Museum, gemeinsam mit seinen Kulturpartnern in Altenburg, Thüringen und der Metropolregion Mitteldeutschlands, seine natürliche Rolle einnehmen als Zugpferd bei der weiteren Entwicklung des Kulturtourismus in Altenburg und im Altenburger Land. Auf diese Weise könnten wir eine Wende in der Wahrnehmung der ganzen Region einleiten.“

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