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Die bunte Venus – Lindenau-Museum an Forschungsprojekt zur farbig gefassten Plastik beteiligt

Venus von Milo (links) (Foto: Pietzsch)

Vor beinahe fünfzehn Jahren sorgte die Münchner Glyptothek mit einem außergewöhnlichen Ausstellungsprojekt für Furore.

Unter dem Titel „Bunte Götter“ wurden die Ergebnisse jahrelanger Forschung präsentiert. Antike Plastiken waren mit modernsten restauratorischen Hilfsmitteln eingehend untersucht worden, wodurch der eindeutige Beweis erbracht worden war, dass die vom Klassizisten Johann Joachim Winckelmann beschworene „edle Einfalt und stille Größe“ antiker Plastik so still gar nicht war. Die Götter und Helden aus Marmor waren in der Antike schreiend bunt. Erst die Witterungseinflüsse vieler Jahrhunderte hatten die Farbschichten abgetragen. Die „weißen Götter“ waren als Mythos der neuzeitlichen Philologie und Kunstgeschichte entlarvt. Nicht nur für die Absolventen humanistischer Gymnasien, für die der weiße Marmor das Schönheitsideal plastischer Bildniskunst war, brach eine Welt zusammen. Auch die klassizistischen Bildhauer wie Antonio Canova oder Johann Gottfried Schadow mussten sich postum für ihre Verehrung der angeblich blütenweißen antiken Vorbilder betrogen fühlen.

Die Ausstellung „Bunte Götter“, die seit 2003 durch die großen Museen der ganzen Welt (sie war u. a. bereits in den Vatikanischen Museen in Rom oder im Archäologischen Museum in Athen zu sehen) tourt, hat eine überkommene Vorstellung zum Einstürzen gebracht. In erster Linie hat sie aber die Forschung angeregt, sich weiter mit den herausragenden Plastiken und ihrer ursprünglichen Farbgestalt zu befassen.

Neuere Untersuchungen am Louvre in Paris haben nun ergeben, dass auch die sogenannte „Venus von Milo“ kein „unbeschriebenes Blatt“ war. Ein 2016 erschienener Band der Reihe „Documents d’archéologie française“ beschreibt eingehend, dass die 1820 auf der Kykladeninsel Milos aufgefundene Figur, die auf abenteuerlichen Wegen in den Besitz König Ludwigs XVIII. gelangt ist, ebenfalls Farbspuren aufweist. Aufgrund dieser Recherchen wurde in einer Computeranimation eine farbige Venus von Milo rekonstruiert, die vor wenigen Monaten dem Lindenau-Museum zugespielt und hier eifrig diskutiert wurde. Der ehrwürdige Louvre nahm das Ergebnis mit Interesse auf, wollte aber natürlich die klassische Anmutung eines seiner bekanntesten Exponate nicht verändern.

Kurze Zeit darauf erhielt das Lindenau-Museum eine Anfrage des Deutschen Archäologischen Instituts, ob es sich einem internationalen Forschungsprojekt anschließen wolle, das die historisch nachgewiesenen farbigen Fassungen bestimmter Figuren als „bunte Momente“ in bestehende Gipsabguss-Sammlungen einbringen will. Nach einigem Zögern und längeren Beratungen hat sich das Lindenau-Museum dazu entschlossen, einigen seiner Gipsabgüsse das historische bunte Kleid der marmornen Originale gewissermaßen zurückzugeben. Den Anfang macht die „Venus von Milo“, die der eine oder andere Besucher des Museums in den letzten Wochen am angestammten Platz vermisst haben mag.

Am morgigen Samstag, 1. April 2017, wird sie ab Museumsöffnung, 10 Uhr, in der Gipsabguss-Sammlung in neuer, farbiger Fassung zu sehen sein. Um den interessierten Besuchern die Spannung nicht zu nehmen, zeigen wir die „Venus von Milo“ im Bild anbei in der bisherigen Anmutung.

Dr. Roland Krischke
Direktor des Lindenau-Museums Altenburg

Ein Kommentar vorhanden

  1. Dr. Albert Kollmann

    Bei der Vorbereitung einer Reise nach Milos bin ich auf diese Seite gestoßen, wo über eine bunte Rekonstruktion der Venus von Milo berichtet wird. Leider kann ich nirgends ein Foto von dieser bunten Rekonstruktion finden. Für einen Hinweis wäre ich dankbar.

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