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Letzte Spielzeit für Kammersänger Teruhiko Komori in Ostthüringen

Komori in Johann-Strauß-Operette „Die Fledermaus“ als Eisenstein an der Seite von Kammersänger Jochen Kowalski als Orlofsky (Foto: Landestheater)

Der Heldenbariton kehrt im Herbst 2012 nach Japan zurück

Seine 12. Spielzeit in Altenburg und Gera wird für Teruhiko Komori die letzte. Der Sänger hat sich entschlossen, am Ende dieser Spielzeit mit seiner Familie nach Japan zurückzukehren. Auf Dauer bleiben wollte er ohnehin nie – den Aufenthalt in Deutschland hat er von vornherein als eine Art Gesellenzeit angesehen. Im April 2011 von Generalintendant Matthias Oldag zum Kammersänger ernannt, hat er nun mehr als einen Meisterbrief in der Hand. Jetzt sieht er die Zeit für die Rückkehr herangereift, um das Empfangene zurückzugeben. Die Verbindung in die Heimat hat er kontinuierlich gehalten: er gastierte regelmäßig mit großem Erfolg in Tokio und anderen japanischen Musikzentren.

Gut gefüllt mit Gastverpflichtungen war sein Terminkalender stets, wobei sicher einer der Höhepunkte die konzertante Uraufführung der Henze-Oper „Gogo no Eiko, Der Seemann, der die See verriet“ in japanischer Sprache bei den Salzburger Festspielen 2006 war. Diesen Sommer konnte man Komori im japanischen Kobe in der Johann-Strauß-Operette „Die Fledermaus“ als Eisenstein an der Seite von Kammersänger Jochen Kowalski als Orlofsky erleben (siehe Foto).

Inzwischen ist der Punkt erreicht, wo er wegen seiner Bindung an Theater&Philharmonie Thüringen attraktive Angebote in Japan wie Pizarro (Fidelio), Figaro, Holländer oder Amfortas (Parsifal) – eine Traumpartie für ihn – nicht annehmen konnte. Die Bühnen planen langfristig. 2013/14 darf er sich inzwischen auf die Titelpartie in Aribert Reimanns Oper „König Lear“ in Tokio freuen. Außerdem wirkt Teruhiko Komori als Gastprofessor an einer privaten japanischen Musikhochschule und ist als Dozent von verschiedenen anderen Hochschulen angefragt. Dabei hat er über 40 private Schüler. „Ich werde sehr viel zu tun haben“, ist er sich sicher. Er möchte alles, was er gelernt und sich als Bühnenkünstler angeeignet hat, weitergeben.

Auch für den 11-jährigen Sohn Kento wird es Zeit, in eine japanische Schule zu wechseln. Er ist schon in einer Waldorfschule in Tokio angemeldet. In der Geraer Waldorfschule wird man die Familie Komori sehr vermissen. Doch Teruhiko Komori kündigt noch einige Konzerte bis zum Abschied an. Auch von den Theatervereinen verabschiedet er sich mit Konzerten: am 21. Oktober gibt er im Heizhaus Altenburg einen Liederabend und in Gera stehen zwei Termine, der 28. April und der 8. Mai.



Seit dem verheerenden Erdbeben ist für den sympathischen Sänger zu den rationalen Gründen für die Rückkehr noch das Gefühl

Komori in Johann-Strauß-Operette „Die Fledermaus“ als Eisenstein an der Seite von Kammersänger Jochen Kowalski als Orlofsky (Foto: Landestheater)

hinzugekommen, unbedingt nach Hause zu müssen, weil er Japaner ist und gerade in dieser Situation in die Heimat gehört. Er fühlt die moralische Verpflichtung, seinem Land zurückzugeben, was er durch die Möglichkeit zu studieren und besonders das Auslandsstipendium empfangen hat. „Thüringen ist meine zweite Heimat geworden, und wenn ich darf, komme ich natürlich gern immer wieder“, bekennt er schon heute. Doch bis zum Abschied kommen zu den vielen Partien, die er hier gesungen hat – man denke nur an Titelpartien wie Rigoletto, Der fliegende Holländer, Nabucco, Don Giovanni, Wozzeck und Wallenstein -– noch ein paar hinzu.

Viel Spaß machen ihm die Proben zu Paul Linckes Berliner Operette „Frau Luna“. Er mag Dialekte und übt mit Vergnügen das „Berlinern“. Nochmals wird er Beethovens 9. Sinfonie zum Jahreswechsel singen, wird Escamillo sein und Herr Fluth – „Carmen“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“  waren auch seine letzten Vorstellungen in Japan im Jahr 2000, bevor er sein Engagement in Gera und Altenburg antrat. So schließt sich der Kreis.


Zur Erinnerung die Vorgeschichte:

1967 in Tokio geboren, wurde Teruhiko Komori an der Gekugei University High School seiner Heimatstadt für den Gesang entdeckt: durch kräftiges Schreien in seiner Fußballmannschaft war er den Kommilitonen aufgefallen, die einen Ersatz für den Mephisto in ihrer Inszenierung von Gounods Oper „Margarethe“ suchten. Er konnte damals zwar keine Note lesen, lernte aber schnell und entbrannte dabei für das Musiktheater, so dass er mit 18 Jahren zum Gesangstudium an die Staatliche Universität für bildende Künste und Musik ging.

Dem Studium von 1985 bis 1989 folgte ein Aufbaustudium, das er 1992 mit dem Titel „Meister für Operngesang“ abschloss. Während der Studienzeit belegte er auch verschiedene Kurse bei namhaften Sängern. Seine Studien konnte Teruhiko Komori 1992 bis 1994 an der Opernausbildungsstätte des Ministeriums für Kultur Japan fortsetzen.1995 kam er mit einem Auslandsstipendium vom japanischen Amt für kulturelle Angelegenheiten zum Studium an die Hochschule der Künste nach Berlin. Komori gewann 1992 den Kawai Music Shop Wettbewerb, war 1995 Preisträger beim internationalen Wettbewerb Fujisawa Opera und gewann den Sonderpreis beim Koloratur-Wettbewerb in Luxemburg 1998. Im Jahr 2000 erhielt er den Preis der Goto Memorial Stiftung in Japan. In der Kammeroper Rheinsberg bekam er Kontakte zum Komponisten Siegfried Matthus und zu Generalmusikdirektor Rolf Reutter, die ihm ein Vorsingen am Theater Altenburg-Gera empfahlen, wo ihn Operndirektor Prof. Blüher sofort engagierte.

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