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Lindenau-Museum würdigt Lebenswerk des Leipziger Künstlers Gerhard Kurt Müller

Lindenaumuseum Altenburg (Foto: der uNi)


Maler, Bildhauer, Zeichner

Lindenau-Museum würdigt Lebenswerk des Leipziger Künstlers Gerhard Kurt Müller

Er gilt als letzter noch lebender Vertreter der „alten“ Leipziger Schule: Gerhard Kurt Müller (geb. 1926). Sein umfassendes und vielseitiges Lebenswerk würdigt das Lindenau-Museum Altenburg nun mit der großangelegten Schau „Gerhard Kurt Müller. Maler / Bildhauer / Zeichner“ (8.7. – 7.10.2018).

Müller, der dieses Jahr seinen 92. Geburtstag feiert, lernte (1948 – 1952) und lehrte (1954 – 1968) an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Von 1964 bis 1966 leitete er die heute international renommierte Kunsthochschule als Rektor. Gemeinsam mit Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke prägte Müller die HGB in den turbulenten 1960er-Jahren maßgeblich. 1968 verließ er die Hochschule jedoch, arbeitet seither freischaffend als Maler und widmet sich seit 1973 auch der Bildhauerei.

Die mangelnde öffentliche Wahrnehmung dieser außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit hängt gewiss mit seinem Weggang von der Hochschule zusammen. Die von staatlicher Seite an die Institution getragenen kunstpolitischen Erwartungen widersprachen jedoch fundamental Müllers eigenen Vorstellungen eines freien künstlerischen Schaffens. Seine Kunst zeichnet sich durch eine originäre, eindringliche Bildsprache aus, die in sich die beiden Extreme der teils überbordenden Geometrie einiger seiner Gemälde und des Purismus seiner Holzskulpturen vereint.

Die Ausstellung versammelt rund 140 Werke unterschiedlicher Techniken. Schwerpunktmäßig werden 30 Gemälde, 22 plastische Arbeiten (Holzskulpturen und Bronzegüsse) und 62 Zeichnungen gezeigt. Darunter die zu Henri Barbusses „Le feu“ (dt. „Das Feuer“) geschaffenen 44 Zeichnungen des Zyklus „La Grande Guerre“ von 2003. In Feder, Ölpastell und Aquarell gefertigt, enttarnt Müller in ihnen das sich hinter Masken verbergende Böse in schonungslosem Duktus und apokalyptisch-düsterer Farbgebung.

Ergänzt werden diese Arbeiten durch 24 Druckgrafiken (Holzschnitte, Holzstiche und Radierungen), drei Skizzenbücher, eine Reclam-Ausgabe von „König Ubu“ mit Einzeichnungen des Künstlers, sowie zwei Handpuppen. Die sogenannten Ubu-Blätter bilden seit den 1970er-Jahren einen wichtigen Themenkomplex im Schaffen Müllers. Inspiriert wurden sie durch Alfred Jarrys absurdes Drama „Ubu Roi“ von 1896.

Das älteste ausgestellte Werk ist ein 1952 gemaltes Selbstporträt, die jüngsten sind die beiden 2015 entstandenen Gemälde „Illusion“ und „Maske mit Helm“. Damit hat die Ausstellung durchaus retrospektiven Charakter.

Neben Leipzig war Gerhard Kurt Müller mehrfach in Thüringen tätig. Von einem Arbeitsaufenthalt im unweit von Altenburg gelegenen Posterstein in den 1970er-Jahren zeugen etwa das Gemälde „Abziehendes Gewitter über Posterstein“ (1976) und die annähernd lebensgroße Holzskulptur „Postersteiner Knabe“ (1977/78), die beide in der Ausstellung gezeigt werden. Zeitweise war Müller zudem von 1981 bis 1985 in Friedrichsdorf bei Erfurt tätig.

Die Ausstellung umfasst zahlreiche Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Das Gros der Exponate wird durch die Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung gestellt. Hinzu kommen Leihgaben des Museums der bildenden Künste (Leipzig), der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, des Angermuseums Erfurt, der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg und Werke aus Privatbesitz.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Benjamin Rux, Kustos für Gemälde und Grafik des Lindenau-Museums Altenburg in Zusammenarbeit mit Laura Rosengarten, der wissenschaftlichen Volontärin des Lindenau-Museums.

Anlässlich der Ausstellung erscheint die Grafik-Literatur-Edition Nr. 14 des Förderkreises „Freunde des Lindenau-Museums“ e. V. mit einem Holzschnitt von Gerhard Kurt Müller und einem Text des Leipziger Schriftstellers Manfred Jendryschik. Sie kann an der Museumskasse erworben werden (regulärer Preis 130 € / Preis für Förderkreismitglieder 80 €).

KATALOG
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfänglicher Katalog (152 S.). Neben Textbeiträgen zu Leben und Schaffen Gerhard Kurt Müllers enthält er eine ausführliche Künstlerbiografie, ein Verzeichnis der ausgestellten Werke sowie zahlreiche Farbabbildungen. Die Texte stammen von April A. Eisman, Dieter Gleisberg, Peter Gosse, Roland Krischke, Benjamin Rux und Peter Schnürpel.
ISBN 978-3-86104-148-1 , 28 €

RAHMENDATEN

Titel der Ausstellung: „Gerhard Kurt Müller. Maler / Bildhauer / Zeichner“

Laufzeit: 8.7. – 7.10.2018

Öffnungszeiten
Dienstag-Freitag | 12-18 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage | 10-18 Uhr

Eintrittspreise
6 € / ermäßigt 4 € / Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
ERÖFFNUNG
Sonntag, 8. Juli 2018, 15 Uhr, Lindenau-Museum Altenburg

Begrüßung
Uwe Melzer, Landrat des Landkreises Altenburger Land

Grußwort
Dr. Eckhart Gillen, Kunsthistoriker

Einführung
Dr. Benjamin Rux, Kustos Gemälde und Grafische Sammlung am Lindenau-Museum Altenburg

Dank
Dr. Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums Altenburg

Musik
Volker Hemken (Bassklarinette) und Timo Jouko Herrmann (Viola) spielen Kompositionen von Timo Jouko Herrmann

BIOGRAFIE GERHARD KURT MÜLLER

1926
Am 1. Oktober wird Gerhard Kurt Müller in Probstheida (Leipzig) als erstes von drei Kindern des Maschinenschlossers Kurt Müller und dessen Ehefrau Anna, geborene Moller, geboren.

1933-1941
Schulzeit in Probstheida. Ein Zeichenlehrer erkennt die Veranlagung des jungen Müller und fördert ihn. Mit zehn Jahren tritt er dem „Deutschen Jungvolk“ bei.

1941–1943
Erste Bombenangriffe auf Leipzig. Müller beginnt eine Lehre als Retuscheur in der Abteilung Tiefdruck. Zeichenunterricht an der Gutenbergschule bei Karl-Arthur Müller, Aquarellmalerei. Im Stil von Nolde malt er Stillleben und Blumen. Müller wird Mitglied des Leipziger Kunstvereins, dort sieht er erstmals moderne Kunst: Auf eine große Wand wird Delaunays „Eiffelturm“ projiziert.

1943–1945
Gesellenprüfung. Einberufung zum Reichsarbeitsdienst. Militärische Ausbildung und Arbeitseinsätze unterbrechen die künstlerische Ausbildung. Müller tritt der Luftwaffe bei, er kommt zu einer Fallschirmjägereinheit nach Frankreich.
Mit einem Schmincke-Aquarell-Kasten malt er vor der Natur. In einer Frontbuchhandlung erwirbt er eine Reihe kleiner Kunstbücher (Goya, Bosch, Raffael, Degas, Rembrandt und Leonardo da Vinci), die er fortwährend bei sich trägt und liest. Kriegseinsatz in der Normandie (Juni 1944), Müller gehört zu den wenigen Überlebenden des Kessels von Falaise. Er schlägt sich bis zum Rhein durch, nimmt dann in den Ardennen an einer der letzten großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs teil.

1945–1948
Im März 1945 gerät Müller in der Eifel zunächst in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, er kommt in ein Lager nach Langres in der Champagne. Müller arbeitet als Holzfäller und Landarbeiter, er beginnt wieder zu malen. Im Lager ist er nun als Bibliothekar tätig und hat Gelegenheit, viel zu lesen. Nach dreieinhalb Jahren wird Müller im Oktober 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

1948–1950
Rückkehr nach Leipzig. Müller bewirbt sich erfolgreich an der Akademie für Grafik und Buchkunst (später Hochschule für Grafik und Buchkunst, HGB). Studium bei Elisabeth Voigt, einer Schülerin von Käthe Kollwitz und Carl Hofer. Seine Kommilitonen sind Bernhard Heisig, Günter Horlbeck, Wolfgang Mattheuer, Hans Mayer-Foreyt, Arnd Schultheiss sowie Werner Tübke. Eintritt in die SED.

1951
Müller studiert in der Fachklasse Grafik bei Carl Kurt Massloff. Die Formalismusdebatte wird intensiver geführt.

1952
Diplom bei Massloff: Satirische Lithografien und eine theoretische Arbeit über Daumier. Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR (VBK). Müller beginnt autodidaktische Malstudien.

1953
Eklat um Müllers Bildnis eines Offiziers der Kasernierten Volkspolizei auf der III. Deutschen Kunstausstellung in Dresden. Müller wird persönlich angegriffen und reagiert darauf, indem er das Bild zerstört und später verbrennt. In der Folge wendet sich Müller von der Malerei ab und dem Holzstich zu.

1954
Berufung zum Dozenten und Leiter der Klasse für Freie Grafik und Illustration an der HGB. Das Lehramt übt er bis zum freiwilligen Abschied im Jahr 1968 aus.
Erste Holzstich-Buchillustrationen entstehen, in den folgenden Jahren zu Werken von Gogol, Heine, Kleist, Schiller und Balzac. Die Kunst des Holzstichs gewinnt durch seine Lehrtätigkeit überregionale Bedeutung.

1958
Erste Einzelausstellung mit Zeichnungen und Malerei an der HGB.

1959
Reise nach Leningrad und Moskau. Besonders beeindruckt ihn Rembrandts „Rückkehr des verlorenen Sohnes“ (1663–1669) in der Eremitage. Müller sieht zum ersten Mal bedeutende Vertreter der Klassischen Moderne, darunter Cézanne, Matisse, Monet und Picasso im Puschkin-Museum Moskau. Besuch der Tretjakow-Galerie.

1961
Ernennung zum Professor an der HGB, Müller leitet die Abteilung Freie Grafik, zu der die Klassen Grafik und Malerei (Prof. Bernhard Heisig) sowie Grafik und Illustration gehören, die er selbst unterrichtet.

1964
Kunstpreis der Stadt Leipzig. Berufung zum Rektor der HGB. Im gleichen Jahr Leitung der Zweihundertjahrfeier der Akademie. Müller hält die Festansprache im Leipziger Alten Rathaus. Begegnung mit Rudolf Bergander, Lea Grundig und Otto Dix während der Zweihundertjahrfeier der Dresdner Akademie.

1966
Rücktritt vom Rektorenamt.

1967
Erstes großformatiges Historienbild: „Interbrigadisten vor Teruel“ (Galerie Neue Meister Dresden).

1968
Aufgabe des Lehramtes, das Müller seit 1954 ausübte. Unter seinen Schülerinnen und Schülern waren: Wolfgang Biedermann, Karl-Georg Hirsch, Norbert Hornig, Rolf Münzner, Helga Paditz, Peter Pfefferkorn, Jiri Salomon, Volker Stelzmann, Christine van der Heide-Schneider, Fotis Zaprasis, Baldwin Zettl. Müller ist fortan freischaffend als Maler und Grafiker in Leipzig tätig.

1969
Müller beendet sein zweites großes Historienbild: „Rue Ramponneau 28.5.1871“ (Museum der bildenden Künste Leipzig), das kontroverse Reaktionen hervorruft.

1973
Autodidaktische Arbeit an ersten Holzskulpturen, Anregung durch afrikanische Hölzer. Müller erhält für „Interbrigadisten vor Teruel“ den Hauptpreis der I. Internationalen Triennale für Malerei in Sofia. Holzschnittzyklus zu Heines „Harzreise“.

1974
Müller nimmt eine Gastprofessur an der HGB Leipzig an.

1976
Studienreise nach Güstrow, Besuch von Ernst Barlachs Atelierhaus.

1977
Beteiligung an der Ausstellung „Zeichnungen im Bezirk Leipzig“ im Staatlichen Lindenau-Museum Altenburg. Bis 1979 zeitweiliger Landaufenthalt in Posterstein bei Ronneburg. Dort konzentrierte künstlerische Arbeit an Holzskulpturen, Gemälden und Holzschnitten, letztere u. a. zu Alfred Jarrys „Ubu Roi“ von 1896. Die Skulpturengruppe „Memorial“ (Kunstsammlung der Universität Leipzig) entsteht.

1978
Müller hält sich weiterhin in Posterstein auf und arbeitet intensiv an Holzskulpturen, Gemälden und Holzschnitten, letztere u. a. zu Babels »Reiterarmee«. Die aus zwei Skulpturen und einem Gemälde bestehende „Hamburger Trilogie“ (Stiftung Schloss Friedenstein Gotha) entsteht.

1979
Teilnahme an der II. Internationalen Triennale für Malerei in Sofia mit „Memento España“. Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur.

1981
Übersiedlung nach Friedrichsdorf bei Erfurt, intensive Arbeit an großen
Holzskulpturen.

1986
Müller erhält nach schwierigen Verhandlungen mit dem Künstlerverband und dem Kulturministerium der DDR einen Pass und kann nach Paris reisen. Besuch des Musée Picasso und des Louvre, wo Müller sich zur ägyptischen Plastik besonders hingezogen fühlt.

1988
Teilnahme an der XLIII. Biennale in Venedig mit „Knabe und Trommler“.
Beteiligung an der Ausstellung „América Latina – Lateinamerikanische Kunst in der DDR“ im Ausstellungszentrum am Fernsehturm, Berlin.

1989
Besuch in Worpswede und Bremen, Bekanntschaft mit den Werken Modersohn-Beckers und den frühen Arbeiten von Marcks. Austritt aus der SED.

1992
Umfangreiche Ausstellung in der Galerie der HGB.

1996
Teilnahme an der Ausstellung „Lehrer und Schüler der HGB Leipzig – Arbeiten auf Papier“ im Kunstverein Coburg. Anlässlich Müllers 70. Geburtstages wird der Katalog „Gerhard Kurt Müller“ von dem Schriftsteller Peter Gosse im Passage-Verlag Leipzig herausgegeben.

2000
Müller lässt von einigen Holzskulpturen Bronzeabgüsse anfertigen.

2004
Gründung der Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung in Leipzig mit einem Grundstockvermögen von 52 Gemälden, 16 Skulpturen, 40 Holzschnitten und 200 Zeichnungen.

2011
Das Buch „Gerhard Kurt Müller & Zeitgenossen – Man darf sich nichts erlassen“ erscheint.

2016
Müller beteiligt sich an der Druckgrafik-Ausstellung „Mit meinen Freunden –
Peter Schnürpel zum 75. Geburtstag“ im Lindenau-Museum Altenburg.

2018
Ausstellung im Lindenau-Museum Altenburg. Müller arbeitet derzeit in Öl.

Seit 1958 zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. in Leipzig, Erfurt, Altenburg, Coburg, Bad Kissingen, Meiningen, Schwerin.

 

BEGLEITPROGRAMM

Führungen
Donnerstag, 12. Juli 2018, 18.30 Uhr
Sonntag, 22. Juli 2018, 15.00 Uhr
Sonntag, 16. September 2018, 15.00 Uhr

Konzert
Mittwoch, 3. Oktober 2018
15.00 Uhr Führung
16.00 Uhr Konzert mit dem Leipziger Schlagzeuger und
Perkussionisten Wolfram Dix vor den Bildern

Museumspädagogische Angebote
für Kindergärten, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen erfragen Sie bitte bei Angelika Wodzicki oder Jacqueline Glück unter 034 47-89 55 45 oder wodzicki@lindenau-museum.de.

Freitag ist Drucktag!
für Schulklassen ab 31. August nach Absprache/Voranmeldung:
Praxiskurs Druckgrafik mit Führung durch die Ausstellung.
Tel. 034 47-89 55 47 oder studio@lindenau-museum.de.

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