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Wem gehör(t)en die Bilder? Schulprojekt zur Provenienzforschung

Schulprojekt zur Provenienzforschung (Foto: Lindenau-Museum)


Jedes Objekt in einem Museum hat seine eigene Geschichte. In manchen Fällen ist deren Herkunft bekannt, mitunter weist sie jedoch auch Lücken auf, die zu klären heute ein wichtiger Teil der Museumsarbeit ist. Das Nachverfolgen der Objektgeschichte ist eine zentrale Aufgabe der Provenienzforschung, die seit März vergangenen Jahres von der Kunsthistorikerin Sarah Kinzel am Lindenau-Museum Altenburg betrieben wird.

Frau Kinzel leitete nun auch das erste Vermittlungsprojekt zur Provenienzforschung mit einer 10. Klasse des Altenburger Friedrichgymnasiums im Museum an. Ziel war es dabei, in mehreren Stationen gemeinsam zu erkunden, wie Provenienzforscherinnen und -forscher versuchen, der Herkunft der Objekte und ihren früheren Besitzern auf die Spur zu kommen. Wie gehen sie vor, welche Hilfsmittel benutzen sie und zu welchen Ergebnissen kommen sie dabei? Diese Fragen beschäftigten die Schülerinnen und Schüler.

Zunächst erfuhren sie in einer Einführung, dass während der Zeit des NS-Regimes zahlreiche jüdische Personen und andere Verfolgte ihre mitunter kostbaren Habseligkeiten aufgeben mussten – als „NS-verfolgungsbedingt entzogen“ werden diese Gegenstände in der Fachsprache bezeichnet. Kunstwerke wurden damals vielfach versteigert oder wechselten auf andere Weise unrechtmäßig den Besitzer. Daher sucht die Provenienzforschung auch nach den Erben dieser Enteigneten, um ihnen die Werke zurückzugeben oder gemeinsam mit ihnen eine andere Lösung zu finden. Oft können die Werke letztlich im Museum verbleiben.

Anhand von konkreten Fallbeispielen aus der Sammlung des Lindenau-Museums wurden mit der Schulklasse verschiedene Arbeitstechniken der Provenienzforschung angewendet: Die Schülerinnen und Schüler nahmen Gemälde ganz genau unter die Lupe – denn jeder Aufkleber, jede Beschriftung kann eine wertvolle Information darstellen – sie recherchierten in einschlägiger Literatur, in Archivdokumenten und in Online-Datenbanken, über die man vermisste Werke ermitteln kann.

In der Abschlussrunde zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler die an sie getragenen Aufgaben sehr interessant fanden, allerdings auch etwas ernüchtert waren von der ausgebliebenen eindeutigen Klärung der Herkunft des Beispielgemäldes. Hierin liegt jedoch die Erkenntnis, dass Forschung in der Regel ein langwieriger und zäher Prozess ist, der nur in den seltensten Fällen zu schnellen Ergebnissen führt.

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