Aktuelle Nachrichten
Startseite » Aktuelles aus Politik und Wirtschaft » Lesermeinung: Slowly slower Cittaslow-Council Altenburg

Lesermeinung: Slowly slower Cittaslow-Council Altenburg


Leser,eimumg zu einem Artikel des LVZ Regionalteils für das Altenburger Land

Verfasser: Uwe Rückert aus Altenburg 

Der Stoiker Seneca wusste schon: „Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“.

So scheint es auch um die philosophische Gemeinschaft des Altenburger Stadtrates bestellt. Würden Stadtforum, Pro-Altenburg und ein einzelnes FDP Mitglied nicht dauernd die Lenzpumpen bedienen, wäre das Schiff wohl schon gekentert. Nicht nur wegen der mitreisenden blinden Passagiere, sondern auch aufgrund etlicher Lecks, immensen Reparaturstaus und löchriger Takelage. Aber die Schiffskassen sind leer, der OB Kapitän navigiert ohne Kompass, von der Brücke sieht man nur Nebel und das knapp verfügbare Kommissbrot der maroden Bordküche soll der Besatzung nun als Slowfood ausgereicht werden.

Brauchen wir aber eine Beteiligung im Cittaslow Netzwerk? Zugegeben, das Stadtforum und Pro-Altenburg waren schon oft die Wachrüttler und legten die besseren Konzepte vor, sprachen die wichtigen Problemfelder an und nahmen die Stadtführung dort in die Pflicht, wo diese neben einer Kürbisse verteilenden und Plakate haltenden Citymanagerin nicht viel Neues bot. Aber nun eine seit langem im Wachkoma liegende Stadt nochmals entschleunigen zu wollen? Das bleibt unverständlich.

Und bestätigen muss man die Mahner, welche unseren Bürgern und der Stadt Altenburg kein zusätzliches Korsett aus restriktiven Vorschriften und einengenden Handlungsoptionen auferlegen wollen. Welche Vorteile erwachsen denn aus der Mitgliedschaft bei Cittaslow? Was dort thematisch breit gefächert von den Mitgliedkommunen und Beitrittskandidaten gefordert ist, wird bestenfalls mit einem „Cittaslow Zertifikat“ belohnt. Ist es das wert? Nein, das ist es nicht!!!

Heimische Produkte vermarkten, den eingesessenen Einzelhandel stärken, Innenstädte durch Ansiedlung und Erhalt von regionalen Unternehmen mit Wiedererkennungswert auch touristisch attraktiv und lebendig zu halten, die eigene und sehr bedeutsame Stadtgeschichte besser darstellen … alles alter Wein in alten Schläuchen. Nur leider immer ohne Durchhaltevermögen begonnen und niemals stringent weitergeführt, wie es beispielhaft am frühzeitigen Aus der doch ganz hervorragenden Prinzenraubfestspiele dargestellt werden kann. Wofür aber haben wir nun eine Citymanagerin, wenn nicht um gute Entwicklungskonzepte für unsere Stadt mit zu entwickeln und umzusetzen? Ließe sich das selbe jedoch mit dem Beitritt zum Netzwerk Cittaslow erreichen, dann könnte die Stadt die (dubios geheim gehaltenen) Personalkosten für diese, bei immer klammen Kassen eigenmächtig durch den OB neugeschaffene, Citymanager(in) Planstelle einsparen. Mit den eingesparten Personalkosten wäre sicher auch ein allein städtisch betriebener Bootsverleih am Großen Teich möglich, damit unsere Bürgerinnen und Bürger dort weiterhin den beliebten „Cittaslow slowdown and relax“ Entspannungswert in der Stadt Altenburg genießen können, statt absehbar wiederkehrend nach immer neuen Betreibern für dieses gewinnwirtschaftlich eher wenig reizvolle Freizeitangebot zu buhlen. Aber diese Option fiel möglicherweise der Rathaus GroKo Neumann – Schenk zum Opfer.

Möge also Vernunft im Stadtrat die Oberhand behalten und dem Projekt Cittaslow eine Absage erteilt werden. Die Bürgerinnen und Bürger, die innerstädtisch ansässigen Filialen größerer Handelsketten und die bereits reichlich vorschriftengebeutelten Unternehmen der Stadt werden es danken. Und abschließend Herrn Zippels bewertenden Vergleich aufnehmend: Beides, die Leitbilddiskussion sowie der nun erteilte Prüfauftrag sind „überflüssig wie ein Kropf“. Gebraucht wird ein Stadtrat, der sich mit der Realität in Altenburg und diesbezüglichen Sachthemen befasst, Entschlüsse trifft und Taten folgen lässt. Philosophische Zirkel und Cittaslow Visionen aber sind im Rathaus deplatziert. In Abwandlung von Alt-Kanzler Helmut Schmidt: „Wer eine (Cittaslow)Vision hat, der soll zum Arzt gehen.“

Uwe Rückert

(ABG-Info.de hat die komplette Lesermeinung als Artikel online gestellt. Leserbriefe und Lesermeinungen stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder die der anderen Lesern dar, sie gelten als Information. Wir danken unseren Lesern für Ihre Meinung, die diese bei uns im Sinne des GG Art. 5 gerne veröffentlichen können.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.