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Wie Angela Merkel Europas Zukunft gefährdet

The Week (USA), 5.08.2016

Wie Angela Merkel Europas Zukunft gefährdet

In einer Welt voller politischer Stümper verdient Angela Merkel eine besondere Erwähnung für außergewöhnliche Leistungen in Bezug auf Rücksichtslosigkeit. Ihre Flüchtlingspolitik setzt ganz Europa einem Risiko aus, obwohl die kontinentalen Eliten dies verkennen, weil diese sich zu begierig ihren humanistischen Idealen hingeben.

Zuallererst versteift sich die europäische Eliten-Kultur auf eine Weltanschauung, die sich bestimmten Bindungen wie etwa nationalen, ethnischen und religiösen versagt, und Personen als völlig gleichartige und austauschbare Exemplare von Human-Kapital ansieht: Ein katholischer Franzose ist nur ein Mensch. Ein nicht religiöser Deutscher ist nur ein Mensch. Ein strenggläubiger moslemischer Flüchtling aus dem syrischen Bürgerkrieg ist nur ein Mensch. Der Geburtsort scheint irrelevant – und so unwichtig sind Religionszugehörigkeit, Alter und Geschlecht. Das einzige Kriterium, das zählt, ist die einfache Zugehörigkeit zur Gattung Mensch.

Gemäß dieses Standards wäre Angela Merkel eine ungläubige Heilige, die pathetisch ihre kantianische Pflicht (nach Immanuel Kant) tut, indem sie in jedem Flüchtling ein Ziel und nicht einen Weg sieht. Dabei setzt sie ihre Handlungen einem absolutem, unterhandelbarem, moralischem Gebot gleich, das es verbietet, die konkreten weltlichen Folgen zu beachten – nämlich WAS DENN WIRKLICH GETAN WERDEN MÜSSTE!

Normalerweise macht sich ein politischer Führer, der ohne Rücksicht auf praktische Konsequenzen agiert, der schamlosen Verantwortungslosigkeit schuldig. Aber um fair zu sein, es ist noch nicht einmal absolut klar, ob sich Angela Merkel der Konsequenzen bewusst war, als sie es zuließ, dass sich bis dato mehr als 1,3 Millionen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien in Europa niederließen. Andererseits, hat sie möglicherweise über die Folgen nachgedacht, nahm diese aber nicht ernst und verweigerte sich der Wahrscheinlichkeit negativer Konsequenzen.

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Ich weiß nicht was schlimmer wäre, aber ich bin mir sicher, beides ist schlecht.

Lasst uns nicht über Anekdoten streiten – wie etwa die spektakulären Massaker der letzten Wochen, Monate oder Jahre. Oder die sommerlichen tödlichen Anschlagserien mit Bomben, Äxten, Macheten oder ähnlichen Waffen, einschließlich des Messers, mit dem man die Kehle eines betagten Priesters am Fuße des Altars in einer französischen Landkirche durchschnitt. Oder etwa die mehr als 1.000 Frauen, die vor acht Monaten von großen Gruppen jugendlicher Rowdys während der Silvesternacht in Köln missbraucht wurden. Einige dieser Taten wurden von Flüchtlingen und Migranten selbst begangen, während andere von Leuten mit nahöstlicher, nordafrikanischer oder südasiatischer Herkunft begangen wurden, obwohl diese schon ihr ganzes Leben in Europa verbrachten. Die meisten von ihnen wurden animiert und inspiriert von der islamistischen Ideologie eines IS oder ähnlicher Gruppen.

Der Grund, warum wir abseits dieser „Anekdoten“ suchen müssen ist folgender: Der Fokus nur auf Einzeltaten erlaubt es Merkel und ihren Apologeten vom Ursprung abzulenken, indem sie behaupten, dass all diese Ereignisse nur Einzelfälle sind, dass diese nicht ein unheilvoller Ausblick in europäische Zukunft wären, und dass Jene, die sich Merkels Flüchtlingspolitik widersetzen, sich des Rassismus‘, der Fremdenfeindlichkeit und anderer archaischer Vorurteile schuldig machen würden. Damit hätten alle „erleuchteten Europäer“ pflichtgemäß jenen Leuten sofort zu widersprechen – sozusagen als eine Voraussetzung zur Teilnahme an einer „zivilisierten“ Diskussion und Debatte.
Und darum ist die neue Studie des Pew Centers (Weblink unten) zu den Migrationswellen nach Europa so wichtig, denn diese erlaubt uns jenseits der täglichen Berieselung mit reißerischen Überschriften einen Blick auf die alarmierende demografische Wirklichkeit, mit welcher der Kontinent konfrontiert wird und wie man daraus einen möglichen politischen Endpunkt herleiten könnte.

Diese Studie ist voll mit einleuchtenden Daten – über die nationale Herkunft der Migranten (die Zahl der Asylsuchenden aus Syrien, Afghanistan und Irak hat sich zwischen 2013 und 2015 vervierfacht), über Hauptzielländer der Asylsuchenden (Deutschland rangiert an erster Stelle) und über die öffentliche Wahrnehmung der EU-Asylpolitik (überwiegend negativ).

Aber die bedrohlichsten Zahlen kann man in der Tabelle mit dem Namen „Young men make up 42 percent of all European asylum seekers in 2015“ entnehmen. Sie lesen richtig: 42 Prozent der Erst-Asylsucher von 2015 waren Männer zwischen 18 und 34. Und der Prozentsatz an Asylsuchenden Frauen in der anderen Gruppe? Elf Prozent!

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Dieses Ungleichgewicht – zum Teil noch viel größer in einigen Ländern – beschreibt eine Zukunft, in der es eine erhebliche Anzahl junger Männer schwierig haben wird, eine Frau zu finden.Und das ist ein ernstes Problem. Ein führender Experte schrieb zu dem Thema vor einigen Monaten einen wichtigen Artikel im Politico (ein amerikanisches politisches Journal):

„Gesellschaften mit extrem asymmetrischen Geschlechterverteilungen sind viel instabiler, sogar ohne dschihadistische Ideologien in ihrer Mitte.
Unzählige empirische Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen verschobener Geschlechterverteilung und Gewalt sowie Eigentumsdelikten. Je höher das Ungleichgewicht desto höher die Kriminalitätsrate.“ (Politico)

„Sogar ohne dschihadistische Ideologien in ihrer Mitte!“ Wenn aber solche Ideologien verbreitet sind – und den unverheirateten, sexuell frustrierten, wirtschaftlich und kulturell ausgegrenzten jungen Männern eine Rechtfertigung zur gewaltsamen Rache an ihrer Umgebung und sogar noch für ein höheres Ziel bieten – dann wird das höchstwahrscheinlich furchtbar enden!

Und dann sind da noch die politischen Verwerfungen:

Erinnern wir uns an die überwältigenden Mehrheiten, die sagen, dass sie unzufrieden mit der Herangehensweise der EU an die Flüchtlingskrise seien. Das sind jene Wähler, die den Brexit in Großbritannien ermöglichten, und die beinahe eine rechtsextreme, Anti-EU- und Antimigrantenpartei in Österreich vor nicht einmal vier Monaten wählten. Und diese geben jener Partei auch die Führung in den Meinungsumfragen für die Wiederholungswahl im Oktober. Sie befeuern auch die Umfrageergebnisse der rechtsextremen Front National in Frankreich. Und so weiter und so fort!

All diese Entwicklungen sind ein Produkt wachsenden Unmuts der europäischen Wähler, die glauben (und das nicht ohne Grund!), dass ihre politischen Führer zu Hinterzimmerpolitik ohne öffentliche Diskussion neigen, welche derer Wähler Lebensqualität negativ beeinträchtigt – auch in Bezug auf sprachliche, ethnische, wirtschaftliche und religiöse Veränderungen ihrer Nationen. Dieser populistische Zwiespalt baute sich schon lange vor Merkels gut gemeinter aber hochgradig idiotischen Flüchtlingspolitik auf – aber genau diese Politik hat mehr als alles andere diesen Widerspruch vertieft!

In herehren Intention und mit den besten moralischen Absichten, bei denen sie sich wie eine politische Außerirdische ohne Schranken verhielt, hat Angela Merkel einen nationalistischen Sturm gesät.

Und dieser Sturm schwillt gerade erst an!

Originalautor: Damon Linker
Eine Übersetzung von Dr. Gunter Seyffarth – Herausgegeben The Week (USA), 5.08.2016 

Weblink zum Originalartikel: http://theweek.com/articles/640943/how-angela-merkel-imperiled-europes-future

Weblink zur Pew Center Studie: http://www.pewglobal.org/2016/08/02/number-of-refugees-to-europe-surges-to-record-1-3-million-in-2015/

Ein Kommentar vorhanden

  1. So einen tollen Artikel zur Flüchtlingspolitik habe ich noch nie gelesen. Er ist wirklich in alle Richtungen durchdacht. Es gibt keinen Punkt, wo ich eine abweichende Meinung hätte. Warum tritt diese störrische Frau Dr. Merkel nicht ganz einfach zurück und überlässt fähigen Leuten ihren Platz???

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