Samstag , 23 Oktober 2021
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Mutige Ex-Schüler tragen sich ins Goldene Buch der Stadt ein

Altenburger Rathaus 2012 (Foto: der uNi)

In diesen Tagen sorgt eine Inszenierung des Landestheaters für Schlagzeilen. In dem Stück „Die im Dunkeln“ wird an das tragische Schicksal einiger rebellisch gestimmter Jugendlicher erinnert, die 1949 in Altenburg mit dem Bau eines Störsenders die Staatsmacht herausforderten. In die Schauspielproduktion, die in Altenburg schon vor der Premiere in aller Munde ist, sind die Erlebnisse von Jörn-Ulrich Brödel und Gerhard Schmale eingeflossen. Beide besuchten die damalige Karl-Marx-Oberschule, das heutige Friedrichgymnasium und wurden von der Autorin des aktuellen Stücks, Mona Becker, als Zeitzeugen befragt.

Heute am 1. März, kehren die beiden Senioren für einen Tag an ihre alte Schule zurück, um Gymnasiasten von den Ereignissen der Nachkriegszeit zu berichten und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss daran werden sich Jörn-Ulrich Brödel und Gerhard Schmale im Beisein von Oberbürgermeister Michael Wolf ins Goldene Buch der Stadt Altenburg eintragen.
Die Gymnasiasten, die am Freitag an der Veranstaltung teilnehmen, dürfen sich auf einen ungewöhnlich interessanten Geschichtsunterricht freuen. Das historisch verbürgte Geschehen gipfelte im Bau eines Senders, mit dem die Protagonisten versuchten, eine Radioübertragung aus Anlass von Stalins Geburtstag zu stören. Was sich aus heutiger Sicht wie ein harmloser Streich aufmüpfiger Teenager anhört, endete mit Verhaftungen und einer Reihe drakonischer Strafen. Drei Menschen wurden von einem sowjetischen Militärtribunal sogar zum Tode verurteilt.

Das bewegende Schicksal der Altenburger Schüler ist nach der Wende schon mehrfach thematisiert worden. So wurde vor einigen Jahren im Fernsehen der Dokumentarfilm „Vier Schüler gegen Stalin“ gezeigt. Und der Autor Steffen Lüddemann verarbeitete den historischen Stoff in seinem Buch „50 Hertz gegen Stalin“ (Patmos Verlag), 2007 las er daraus vor Elftklässlern des Friedrichgymnasiums.

Mit dem Eintrag ins Goldene Buch sollen Jörn-Ulrich Brödel, in dessen Wohnung der Störsender stand, und Gerhard Schmale für ihren Mut geehrt werden. Mit der Ehrung gedenkt die Stadt zugleich der anderen couragierten Schüler und Lehrer, die damals mit ihrem Engagement in vorbildlicher Weise für Freiheit und Demokratie eingetreten sind.

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