Dienstag , 9 August 2022
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Interview des Landrats zum Schulnetzplan

„Wir haben beim Ministerium den Antrag gestellt, unseren Schulnetzplan vollständig – und damit auch den Fortbestand der Regelschule Lucka und des Gymnasiums Meuselwitz – bis 2025
zu genehmigen“

Gymnasium Meuselwitz vorerst gesichert, Regelschulen Lucka und Meuselwitz stehen möglicherweise vor einer Filialbildung

Die aktuelle Schulnetzplanung im Altenburger Land, 2020 beschlossen vom Kreistag, gilt noch bis zum Ende des Schuljahres 2024/2025.

Herr Melzer, warum gibt es fortlaufend Diskussion zum ­Weiterbestand einiger Schulen speziell in der Nordregion des Landkreises?

Uwe Melzer: Als Schulträger sind wir laut Thüringer Schulgesetz verpflichtet, eine Schulnetzplanung vorzulegen. Unser Entwurf wurde vom Thüringer Bildungsministerium geprüft und für zwei Standorte nicht so genehmigt. Das betrifft das Gymnasium Meuselwitz und die Regelschule Lucka. In diesen Schulen wird die vom Ministerium vorgegebene Mindestschülerzahl von 20 pro Klasse nicht erreicht – nicht aktuell und nicht in der Prognose der kommenden Jahre. Auch die geforderte Zweizügigkeit ist am Gymnasium nicht durchgängig gegeben, für die ländliche Regelschule gäbe es zumindest hierbei eine Ausnahme. Lucka dürfte einzügig sein. Seit November des letzten Jahres sind wir nun mit dem Bildungsministerium im Gespräch, um eine Lösung herbeizuführen.

Die ursprüngliche Entscheidung zum Fortbestand des Gymnasiums Meuselwitz nur bis zum 31. Juli 2023 hat das Ministerium jetzt aber abgeändert.

So ist es – das ist das Ergebnis meines letzten Gespräches mit Vertretern des Bildungsministeriums Ende Mai in Erfurt. Die aktuell erhobenen Schüleranmeldezahlen deuten nunmehr auf einen
Fortbestand des Gymnasiums bis Ende unserer Schulnetzplanung, also bis Sommer 2025, hin. Selbst wenn wir die Mindestschülerzahlen nicht erreichen, dürfen wir von der Vorgabe abweichen, weil ein Ausnahmetatbestand greift: Die Nachbargymnasien haben ihre Kapazität derzeit ausgelastet und sind nicht in der Lage, den vollständigen Bestand des Meuselwitzer Gymnasiums aufzunehmen. Seit wenigen Tagen liegt uns diese Entscheidung aus Erfurt auch schriftlich vor und ich freue mich vor allem für die Meuselwitzer Kinder und Eltern sehr darüber, dass wir den Schulstandort erst einmal gesichert haben.

In nicht allzu langer Zeit beginnt die Zitterpartie aber von vorn oder?

Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Wir haben in den kommenden zwei Jahren den Spielraum, gute Konzepte und Modelle mit allen Beteiligten – mit Schule, Eltern, Schülern und
Kreistagsmitgliedern – zu entwickeln und zu besprechen und den Standort Meuselwitz im Rahmen der folgenden Schulnetzplanung auf sichere Füße zu stellen.

Ich kann mich gut an meine ABI-Zeit in Meuselwitz erinnern. Damals waren wir auch nur 13 Schüler in der Klasse – zum Lernen ideal, die Atmosphäre wunderbar familiär.

Jahrelang waren geringe Schülerzahlen kein Problem und generell finde ich das Lernen in einem kleinen Klassenverband auch sehr gut. Aber das Problem ist mit dem zunehmenden Lehrermangel entstanden. Viele Schulen haben massive Schwierigkeiten, den regulären Unterricht mit den vorhandenen Pädagogen abzudecken. Ich denke, hier ist seitens des Freistaates Thüringen ein ganzes Bündel von Maßnahmen erforderlich, um den Negativtrend zu stoppen. Dringend.

Alles andere als sicher ist die Regelschule Lucka. Ist hier eine Lösung in Sicht, den Standort trotz der rückläufigen Schülerzahlen doch zu erhalten?

Grundschule und Regelschule befinden sich in Lucka unter einem Dach und Lucka als Schulstandort gilt grundsätzlich als gesichert. Nicht sicher sagen kann ich im Moment, ob die Regelschule bestehen bleiben kann. Für das Schuljahr 2022/2023 liegen der Schule nur acht neue Anmeldungen vor. Eine eigenständige Klasse kann damit nicht gebildet werden. Daher die Entscheidung des Schulamtes, dass die Medienschule Meuselwitz die acht neuen Fünftklässler aufnehmen soll. Die Kapazitäten dafür sind da. Die Lösung für die Regelschule Lucka könnte die Filialbildung mit einer Nachbarregelschule sein, der Regelschule Meuselwitz also. An diesem Thema arbeiten wir gerade. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, weil wir die räumlichen und sächlichen Vor­aussetzungen sorgfältig prüfen müssen.

Filialmodell heißt aber, dass die Schüler beider Schulen vom Wohnort in die Schule fahren müssen.

Das stimmt, aber ich möchte eine Filialbildung umsetzen, bei der wohnortnah beschult wird. Das heißt: Wir wollen nicht festlegen, alle fünften, sechsten und siebten Klassen gehen zum Beispiel nach Meuselwitz, alle achten bis zehnten nach Lucka. Das würde in der Tat sehr viel Fahrerei für sehr Viele bedeuten. Ich favorisiere die Variante der wohnortnahen Beschulung, bei der die 5. bis 10. Klassen sowohl in Lucka als auch in Meuselwitz installiert werden. Angenommen, wir haben 75 angemeldete Kinder für die Jahrgangsstufe 5, dann würden zwei fünfte Klassen in Meuselwitz gebildet, eine fünfte Klasse in Lucka. Aus aktueller Sicht stellt die Schülerbeförderung im Raum Meuselwitz, Lucka und den umliegenden Dörfern kein Problem dar.

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit der Kreisverwaltung mit den Schulleitern und der Elternschaft ein?

Vorab: Wir haben unsere Schulnetzplanung nach Beschluss im
Kreistag im Mai 2020 zur Genehmigung vorgelegt. Zu einer Anhörung
in Erfurt ist es erst im November 2021 gekommen, auf unser Drängen
hin. Seitens des Ministeriums wurden die Mindestschülerzahlen
erstmals ins Thüringer Schulgesetz 2021/22 aufgenommen, vorher gab
es nur Empfehlungen. Das ganze Thema hat uns als Schulträger also
völlig überrollt. Im Vorfeld der Anhörung mit den beteiligten Schulen und
Eltern ins Gespräch zu kommen, war also nicht möglich. Das Verhältnis
zu den Schulleiterinnen und Schulleitern ist wirklich gut, wir sprechen
sehr offen miteinander. Mit den Elternvertretern und dem
Kreis­elternbeirat gab es bereits Gespräche, das erste Mal im Januar
bei uns im Landratsamt, wo wir zu den neuen Gegebenheiten informiert
haben. Aus meiner Sicht haben wir eine gute Zusammenarbeit mit dem
Elternbeirat. Weitere Gespräche werden in Zukunft folgen.
Gibt es außer der Filialbildung noch eine andere Idee der
Kreisverwaltung zur Rettung der Regelschule Lucka?
Nun, wir haben im Landkreis momentan 1.000 ukrainische Flüchtlinge
und es werden noch mehr. Mehr als ein Drittel davon sind Kinder.
Täglich werden ukrainische Mädchen und Jungen in den Schulen
angemeldet. Vor dem Hintergrund dieser Ausnahmesituation haben wir

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LANDRATSAMT ALTENBURGER LAND
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
als Schulträger beim Ministerium den Antrag gestellt, unseren
Schulnetzplan vollständig – und damit auch den Fortbestand der
Regelschule Lucka und des Gymnasiums Meuselwitz – bis 2025 zu
genehmigen. Eine Antwort steht noch aus.

Interview: Jana Fuchs

Im Auftrag
Jörg Reuter
Öffentlichkeitsarbeit

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