Dienstag , 9 August 2022
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Sanierung des Lindenau-Museums nimmt weiter Fahrt auf

Lindenau-Museum neu (Bild: Landratsamt Altenburg)


Im Rahmen eines Pressegesprächs am 10. Februar 2022 stellten der Landkreis Altenburger Land und das Lindenau-Museum gemeinsam mit dem Architekten und dem leitenden Restaurator anhand von zeichnerischen Darstellungen eine Momentaufnahme des Planungsfortschrittes zum Bauvorhaben „Lindenau-Museum“ vor. Die Besucherinnen und Besucher des neuen Museums können sich auf Etagen freuen, die bislang nicht zu betreten waren. Sie werden mehr Fläche für Ausstellungen und die Kunstschule sowie zeitgemäß eingerichtete Bereiche für Kasse, Shop und sanitäre Anlagen erleben. Zudem werden mit einem barrierefreien Entree in Zukunft endlich alle Gäste in gleicher Weise vom Lindenau-Museum willkommen geheißen.

Uwe Melzer, Landrat des Landkreises Altenburger Land, erläuterte kurz die Bedeutung der Förderung der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaates Thüringen in Höhe von insgesamt 48 Millionen Euro, die diese Baumaßnahme ermöglicht habe. Die Grundlage dafür sei der vom Team des Lindenau-Museums 2017 vorgelegte Masterplan „Der Leuchtturm an der Blauen Flut. Das neue Lindenau-Museum und die Altenburger Trümpfe“, worin auf die Raumnot des Museums verwiesen und mit der Erweiterung um das Gebäude des Herzoglichen Marstalls eine schlüssige Alternative zu vielen in früheren Jahren vorgebrachten Plänen genannt worden ist.

Museumsdirektor Dr. Roland Krischke ergänzte, dass im Sommer 2016 Monika Grütters, die damalige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Lindenau-Museum Altenburg besuchte. Sie nahm das zu den Mitgliedern der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen zählende Haus und seine bedeutenden Sammlungen mit großem Interesse und Wohlwollen in Augenschein, sah den akuten Handlungsbedarf des in die Jahre gekommenen Museums, mahnte aber einen Masterplan als Voraussetzung für alles Weitere an.

Der Museumsdirektor erinnert auch daran, dass schon seit den 1960er-Jahren seitens der Museumsleitung die akute Platznot beklagt worden war. In den folgenden Jahrzehnten wurde wiederholt über einen Anbau nachgedacht, den jedoch die Landesdenkmalpflege ablehnte. Erst der Masterplan „Der Leuchtturm an der Blauen Flut – Das Lindenau-Museum und die Altenburger Trümpfe“ wagte 2017 den Blick über den Tellerrand und zog eine Erweiterung um den Herzoglichen Marstall am anderen Ende des Altenburger Schlossgartens in Betracht. Im ursprünglichen Museum sollte in jedem Falle die Kunstschule als Herzstück des Museums verbleiben. Die Ausstellungsfläche sollte ebenso erweitert werden wie besucherrelevante Bereiche für Kasse, Shop, Garderoben und sanitäre Anlagen. Als wesentliche Bausteine eines neuen und zeitgemäßen Lindenau-Museums wurden aber auch die längst überfällige Herstellung der Barrierefreiheit und der Einbau von Klimatechnik hervorgehoben. Während der Einbau eines Aufzugs den in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen den Zugang ermöglichen, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums die Arbeit erleichtern soll, ist die Klima- und Sicherheitstechnik unabdingbar für die Teilnahme am internationalen Leihverkehr.

Ungeachtet zahlloser bedeutender Leihgaben in die ganze Museumswelt konnte das Lindenau-Museum bislang keine Werke von Rang ausstellen, da die klimatischen und sicherheitstechnischen Bedingungen nach internationalem Standard nicht garantiert werden konnten. Der Platz für diese neu einzurichtenden Bereiche und die erforderlichen Technikräume sollte durch die Auslagerung von Depots, Werkstätten und Büros in den Herzoglichen Marstall geschaffen werden.

Seit der Entscheidung des Deutschen Bundestages im Herbst 2018 ist der Weg für die Umsetzung der Pläne geebnet und die Modernisierung und Erweiterung des Museums wird gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen jeweils in gleicher Höhe gefördert.

Nach erfolgreichem Abschluss der europaweiten Auswahlverfahren durch den Bauherrn, das Landratsamt Altenburger Land, begannen im Herbst 2019 die Planungen für das neue Lindenau-Museum. In deren Fortgang, so Dr. Krischke, „hat uns am meisten die Barrierefreiheit beschäftigt, die wir in sehr vielen historischen Museumsbauten nur unzureichend umgesetzt sehen. Es ist heute nicht mehr vertretbar, dass ein zum Beispiel in der Mobilität eingeschränkter Mensch, der das Museum besuchen möchte, gezwungen wird, einen Nebeneingang zu benutzen. Alle Menschen sollen in einem modernen Museum in gleicher Weise willkommen geheißen werden.“ Der Plan des Museumsteams sah einen ebenerdigen Zugang von der Parkseite her vor.

In vielen kleinen Schritten entstand so im Planungsteam unter Führung des Architekturbüros Kummer. Lubk. Partner die Idee, dem Haus auf der der Stadt zugewandten Seite einen neuen Eingang in einem neuen Stadtgeschoss zu schaffen. Anfangs wurden noch Entwürfe unter Beibehaltung einer Treppenlösung im Zentrum diskutiert. In dem Bewusstsein, dass die zentrale Treppe mit dem neuen barrierefreien Zugang aber ihren Sinn verlieren würde und die Anlage von 1977 in der Gestalt von 1910 wegen ihres maroden Zustands sowieso gänzlich zu entfernen war, entwickelte sich ein neuer Gedanke: ein Eingang in der Formensprache des 21. Jahrhunderts als bewusst gesetztes Pendant zu dem sich darüber erhebenden historischen Museumsgebäude von Julius Robert Enger. Die zentrale Treppe von 1876 existiert seit 1910 nicht mehr, wird nun aber durch eine neu angelegte Treppe vom Stadtgeschoss zum Erdgeschoss im Inneren des Gebäudes zitiert. Durch entsprechende Lichttechnik inszeniert wird dieser Aufgang von der Wettiner Straße aus deutlich zu sehen sein.

Das Lindenau-Museum fühlt sich den Ideen seines Stifters Bernhard August von Lindenau verpflichtet. Es will sich viel stärker als bisher mit den Angeboten der Kunstschule wie auch mit seinen Ausstellungen neuen Zielgruppen öffnen. Es wird offener und transparenter, die Schwelle im übertragenen wie im buchstäblichen Sinne gesenkt. Wer sich künftig dem Lindenau-Museum vom Bahnhof her nähert, sieht einerseits den Eingang des Museums vor sich, andererseits aber auch die Keramikwerkstatt des Studios. So verbinden sich für die Besucherinnen und Besucher schon im Näherkommen der Einblick in kreatives Arbeiten und der Blick ins Museum zur Grundidee des Lindenau-Museums. Von Anfang an war das Bauwerk mit seinem gesamten Raumkonzept in Funktion sowie Intention auf die Sammlung und das damit verbundene Vermächtnis Lindenaus als Kunstschule ausgerichtet. Mit der demonstrierten architektonischen Offenheit und der bewusst prominenten Platzierung der Räume der Kunstschule in direkter Nähe zur Kunstsammlung wird dieser Stiftungsgedanke Bernhard August von Lindenaus aufgegriffen und gestärkt, so dass das Kunstmuseum auch weiterhin als Institution und Impetus für die ästhetische Bildung aller Bürger verstanden wird.

Es sei dem Planungsteam bewusst, dass mit der Schaffung einer neuen Eingangssituation unterhalb des Museumsgebäudes die historische Ansicht des Gebäudes nicht nur gestalterisch verändert wird. Dies geschieht nach den Eingriffen von 1910 (und in gleicher Form 1977) zum dritten Mal. Die herrschaftliche, vom Volk abgehobene Geste der ersten Treppenanlage setzte das Museum architektonisch in eine Traditionslinie mit antiken Tempeln und Schlossanlagen, was zur Erbauungszeit schlüssig schien, in der Gegenwart aber gerade nicht mehr überzeugt. 1910 trat an die Stelle der weit ausschwingenden Eingangstreppe zum ersten Obergeschoss eine missglückte, gleichsam gestutzte Treppe, die schon immer Kritiker (wie Fritz Löffler oder Thomas Topfstedt) fand. Mit dem neuen Ansatz wird ganz auf Demokratisierung und Öffnung gesetzt. Letztlich wird mit der Schaffung des Stadtgeschosses und den besucherrelevanten Bereichen Kasse, Museumsladen, Garderoben für Einzelbesucher und Gruppen sowie den sanitären Anlagen auf der einen Seite und der Keramikwerkstatt der Kunstschule auf der anderen Seite eine ganz neue Dramaturgie des Museumsbesuches ermöglicht. Das Museum gewinnt zwei Etagen hinzu, die bislang gar nicht zu betreten waren. Im über dem Stadtgeschoss liegenden Erdgeschoss schließen sich weitere Räume des Studios, aber auch neue Ausstellungsbereiche an. Erst eine Etage darüber wird jene Etage erreicht, die die Besucherinnen und Besucher früher zuerst betreten haben. Hier ermöglichen ein Glasabschluss der Vorhalle, die Öffnung der ehemaligen Eingangstür während der Besuchszeiten sowie die Befreiung des Oktogons von Kassentresen und Shop-Einbauten eine völlig veränderte Wahrnehmung dieser bemerkenswert schönen Räume, so die Überzeugung des Museumsdirektors Dr. Krischke.

„Wir wollen den Raumfassungen von 1876, die zeitweise nahezu verstummt waren, an den dafür geeigneten Stellen wieder eine vernehmbare Stimme geben. In Zukunft soll die bauzeitliche Ebene in einen Dialog mit den gestalterischen Standpunkten der Gegenwart treten. Aber auch die im Rahmen der unseligen Aktion „Entartete Kunst“ zugedeckten Wandmalereien von Ernst Müller-Gräfe werden im Treppenhaus wieder zu sehen sein. Nach fast hundert Jahren des bewussten oder verschämten Versteckens eines Kunstwerkes hinter neutralen Tapeten kehrt diese vom Künstler bewusst gesetzte Farbexplosion als Bruch der historistischen Formensprache des Museumsgebäudes wieder in die Sichtbarkeit zurück.“

Entwickelt am Leitfaden der Nutzeranforderungen, soll ein attraktives Museum entstehen, das sich auf seine Ursprünge besinnt und die Brüche in seiner Geschichte nicht verschweigt. Vor allem aber möchte das Lindenau-Museum Altenburg dank der zahlreichen besucherfreundlichen Neuerungen für die Menschen von heute ein gern und häufig aufgesuchter Anziehungspunkt sein, der sich aktuellen gesellschaftlichen Fragen nicht verschließt und mit den Besucherinnen und Besuchern in ein nie versiegendes Gespräch kommen möchte. „Daran arbeiten wir im Museum in ständigem Austausch mit den Förderern von Bund und Freistaat Thüringen, dem Bauherrn, den Architekten, den Denkmalpflegern, den Gestaltern, den übrigen Planern, intern mit den Kolleginnen und Kollegen, aber auch mit externen Beratern zur Barrierefreiheit oder Sicherheitstechnik – und nicht zuletzt im Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern von morgen. Mit allen gemeinsam haben wir den aktuellen Planungsstand erreicht, über dessen Details (wie zum Beispiel die wichtige Gestaltung der Terrasse) wir weiterhin intensiv diskutieren, um am Ende des Planungsprozesses ein überzeugendes Ergebnis für alle Besucherinnen und Besucher vorlegen zu können.“ fasst Dr. Roland Krischke das erreichte Ergebnis zusammen.

Der Bestand

Lindenaumuseum Altenburg (Foto: der uNi)

Der Restaurator Veit Gröschner mit dem Ingenieurbüro für Denkmalpflege Rudolstadt wurde mit der restauratorischen Bestandsaufnahme und der konservatorisch-restauratorischen Fachplanung für das Lindenau-Museum gebunden. Mit Beginn seiner Tätigkeit konzentrierte er sich auf die umfängliche Bestandsaufnahme, zunächst in Form von Auswertung der Archivalien und Quellen. Ein Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit dem Architekten Julius Robert Enger und seiner schöpferischen Gestaltungswelt insbesondere als Schüler und Mitarbeiter Gottfried Sempers in Dresden. Als zweiten Schwerpunkt verfolgte das Büro die Zuordnung der vorhandenen Baustrukturen in Bezug auf ihre bauzeitliche und sekundäre Entstehungszeit. Die umfassende restauratorische Befunderhebung im Gebäude, die auch die Suche nach bauzeitlichen und historischen Fassungen, die in den Jahrzehnten verloren gegangen waren mit einbezog, bildete den dritten Schwerpunkt. Als Glücksfall konnte die expressionistische Wandmalerei des Malers Ernst Müller-Gräfe aus dem Jahre 1922 wiederentdeckt und freigelegt werden. Seit den 1930er Jahren als „Entartete Kunst“ diffamiert; war sie mit Farbe und Tapete überdeckt worden und somit nicht mehr sichtbar.

Die restauratorische-konservatorische Fachplanung für das zukünftige Museum baut auf den Ergebnissen dieser drei Grundlagen auf. Ziel ist hier das Gebäude nahezu vollständig in seinem bauzeitlichen Erscheinungsbild sowohl in den Innenräumen als auch an den Fassaden wiederzubeleben. So ist im Ersten Obergeschoss die Sichtbarmachung aller bauzeitlichen Deckenmalereien geplant. Diese Gestaltungen, die in unmittelbaren Zusammenhang mit den historischen Ausstellungsinhalten standen und auch wieder stehen sollen, sollen für die zukünftigen Besucher erlebbar sein. Aber auch die Prachträume im Zweiten Obergeschoss, wie die Oberlichtsäle und das Oktogon, erhalten ihre bauzeitliche Pracht wieder. Ein weiterer Höhepunkt wird die Integration und Präsentation des expressionistischen Wandbildes im Treppenhaus bilden. Alle Ausstattungselemente, so die bauzeitlichen Türen, Stuckelemente, Naturwerksteine, Fliesen und Glasoberflächen werden für die Innenräume konservatorisch-restauratorisch beplant. Gleiches gilt für die Fassade, an denen die bauzeitlichen Natursteinfassungen in Korrespondenz zum sichtbaren Natursteinsockel wiederhergestellt werden sollen.

Die bauzeitliche Architekturidee, die Intensionen des Architekten und seines Auftraggebers werden somit aufgenommen und gewürdigt. Die Räume des Lindenau-Museums sollen aufwendig und sorgsam restauriert werden und die Schönheit der historischen Fassungen nahezu ohne Verluste als Rahmen für zukünftige, attraktive Ausstellungen für die Besucher wiedererlebbar gemacht werden.

Die Idee

Architekt Markus Sabel vom Erfurter Büro Kummer, Lubk und Partner ging am Anfang seiner Ausführungen auf die Aufgabenstellung seitens des Nutzers ein. Zwei Dinge hätten von Anfang an im Vordergrund gestanden: Die Herstellung der vertikalen und horizontalen Barrierefreiheit und damit zugleich die Frage nach der Lage des Eingangs für das neue Lindenau-Museum sowie die technische Ertüchtigung des Gebäudes, für das mit der weltweit berühmten Sammlung von 180 Tafelbildern der Frührenaissance und qualitätsvollen Wechselausstellungen besondere klimatische Bedingungen zu schaffen seien.

Der architektonische Haupteingang aus der Entstehungszeit des Lindenau-Museums war nach Norden hin, in Richtung Bahnhof, mit einem zentralen Treppenaufgang ausgerichtet. Über ihn gelangten die Besucherinnen und Besucher in das erste Geschoss mit Sonderausstellungsbereich und Gipsabguss-Sammlung.

Der Eingang für Personal und Lieferanten wie auch für Besucher der Kunstschule lag auf der Südseite des Gebäudes im Erdgeschoss unmittelbar am Schlossberg.

Ein markanter Eingriff in die ursprüngliche Architektur war bereits 1910 der Umbau dieses Treppenlaufes zu einer neobarocken Freitreppe mit profilierten Balustern.

Der Plan des Museumsteams sah im „Leuchtturm an der Blauen Flut“ einen ebenerdigen Zugang von der Parkseite her vor, von wo aus man sich leichter zu den weiteren Einrichtungen des Schlossbergs begeben könne…

Man kam davon jedoch bald ab, da man darin eine Negierung der städtebaulichen Ausrichtung des historischen Museumsgebäudes sah. Es zeigte sich nach Beginn der Planungen auch recht schnell, dass dieser Ansatz funktionell nicht umsetzbar war, da angesichts der Enge des rückwärtigen Flur- und Treppenbereichs und der sich kreuzenden Wegeverbindungen in diesem Bereich ein Anbau für diesen Flächenbedarf erforderlich gewesen wäre. Ohne diese zusätzliche Fläche hätte man hier aber auch kein angemessenes Entree schaffen können, das dem Museum im Grunde schon immer fehlte.

Mit der Idee, das Gebäude dem bauzeitlichen Gedanken folgend, von der Gabelentzstraße in Sichtachse zum Bahnhof an der Wettiner Straße barrierefrei zu erschließen, war der Grundstein für ein Neudenken der Eingangssituation gelegt. Im Zuge der Planung kristallisierte sich durch die Entwicklung einer optimalen Grundrisslösung, die auch dem erforderlichen Platzbedarf der zeitgemäßen Gebäudetechnik gerecht werden sollte, die Notwendigkeit einer funktionalen, architektonisch sowie künstlerisch ansprechenden Neuinterpretation der neobarocken Außentreppenanlage heraus. Eine Interpretation unter Verwendung zumindest von Teilen dieser Anlage wurde in Varianten untersucht und letztlich als nicht überzeugend von allen Beteiligten abgelehnt.

Das zukünftige Lindenau-Museum Altenburg soll sich mit seinem besucherorientierten Ankunftsbereich einladend, funktional und zeitgemäß zeigen. Es befindet sich von der Gabelentzstraße her gesehen auf Bodenniveau, das heißt auf der Höhe des ehemaligen Kellers. Hier soll es einen einladenden Kassen- und Shop-Bereich, ausreichende Garderoben und moderne Sanitäranlagen bereithalten und für alle Besucher und Gäste barrierefrei zugänglich sein.

Es entstand der Plan einer sichtbaren Linie, die den historischen Bau horizontal von dem darunterliegenden Neubau des verglasten Eingangsbereichs trennt und somit eine klare Trennung zwischen alt und neu markiert. Das ehemalige Untergeschoss wird zur Zugangsetage, die barrierefrei zugänglich ist. Dabei werden die zusätzlichen notwendigen Flächen dem Untergeschoss als eigenständigen Baukörper vorgelagert und somit der Eingriff in die bauzeitliche Substanz minimiert. Alle Besucherinnen und Besucher können denselben Eingang benutzen und sich das Museum im gleichen Rundgang erschließen, eine Forderung, die im Sinne von gleichberechtigter Teilhabe nachvollziehbar aber funktionell in einem Denkmal nicht selbstverständlich umzusetzen ist. Die gläserne Front vermittelt dabei die Offenheit, die ein Markenzeichen des Lindenau-Museums ist, das mit seinen Sammlungen sowie seinen Bildungs- und Erlebnisangeboten allen Menschen offensteht. Oberhalb des neuen Eingangsbereichs entsteht eine neue Terrasse, die eine Treppe aus dem erstes Obergeschoss als Rettungsweg und eine barrierefreie Umwegung aufnimmt.

In der Aufgabenstellung waren für den Personen- und den Kunsttransport zwei separate Aufzüge vorgesehen. Ein Außenaufzug an der Fassade ist von allen Beteiligten und von Anfang an ausgeschlossen worden, so dass im Inneren eine Lage bestimmt werden musste. Hierbei wurden drei Standorte untersucht und letztlich ein Aufzug im Bereich der Vorhalle vorgesehen, einer Stelle, die den geringsten Eingriff in die Struktur und die Ausstellungsflächen aufweist. Aufgrund der dort möglichen Größe der Aufzugskabine kann dieser künftig nun für beide Funktionen verwendet werden und ein zweiter Standort entfällt damit. Vom neuen Eingangsbereich aus erschließt der Aufzug alle drei Ausstellungsetagen bis in das zweite Obergeschoss wo eine Lagekorrektur von zwei Türen erfolgt, um den Rundgang wieder zu gewährleisten.

Der neue Eingang erfordert auch eine neue Treppe vom Untergeschoss in das Erdgeschoss. Diese wird axial unter dem Lauf der ursprünglichen Treppe ins erstes Obergeschoss angeordnet und erhält eine repräsentative Gestaltung.
Für die Verbindung vom Erd- in das erstes Obergeschoss erhält die bestehende Treppe ein Pendant auf der anderen Seite, so dass dieser Aufgang an repräsentativem Charakter gewinnt. Das Treppenhaus vom ersten zum zweiten Obergeschoss erhält einen zusätzlichen Handlauf. Das Treppenhaus wird durch eine sogenannte Spüllüftungsanlage für den Brandschutz so ertüchtigt, dass eine eigentlich notwendige zweite Treppenanlage als Fluchtweg kompensiert werden kann.

Folgende neue Funktionen sind vor allem in den beiden unteren Etagen erwähnenswert: Im Untergeschoss befinden sich neben dem Kassen- und Shop-Bereich sanitäre Anlagen und Garderoben für Einzelbesucher und Gruppen. Hier befindet sich auch ein neuer Zugang zum Studio Bildende Kunst, der von Schülergruppen genutzt wird, die das Museum durch den Haupteingang betreten. Im Erdgeschoss gibt es neue Rückzugsmöglichkeiten und Umkleiden für den Besucherservice und das übrige Personal sowie einige Lagerräume. Da die Büros, Depots und Werkstätten in den Herzoglichen Marstall ausgelagert werden, entsteht hier aber vor allem mehr Ausstellungsfläche. Im Haus verbleibt jedoch ein Klimadepot für Leihgaben, die nach wie vor über den Südeingang (von der Parkseite) angeliefert werden.

Die Kunstschule, das Studio Bildende Kunst, wurde ebenfalls neu gedacht und wird künftig als eigene Raumeinheit gedacht, die vom Museum sicherheitstechnisch abgetrennt werden kann. Neu ist hier, dass ein zusätzliches inneres Treppenhaus das Untergeschoss und das Erdgeschoss miteinander verbindet. Der Bedeutung der Kunstschule für das Lindenau-Museum wird Rechnung getragen, indem die Keramikwerkstatt des Studios sich künftig rechts im neuen Eingangsbereich befindet, wodurch der kreative Teil des Museums für alle Besucherinnen und Besucher auf den ersten Blick hin sichtbar wird. Die Studio-Räume im Erdgeschoss werden neu geordnet und erhalten einen bauordnungsrechtlich notwendigen neuen Flur, hierfür wird die ursprüngliche Eingangstür um eine Achse nach Osten versetzt und mit dem dort befindlichen Fenster getauscht. Das Studio erhält zusätzlich einen modern ausgestatteten Vortragsraum, in dem künftig auch Vorträge und kleinere Veranstaltungen des Museums stattfinden können.

Die bauliche Situation kann dadurch im ersten und zweiten Obergeschoss abgesehen von restauratorischen Maßnahmen und technischen Einbauten weitestgehend unverändert bleiben.

Vergabe- und Planungsverfahren

Bernd Wenzlau, Leiter des Fachbereichs Bildung und Infrastruktur und Verantwortlicher des Landkreises für die Baumaßnahmen des Lindenau-Museums, erläuterte anschließend das Vergabeverfahren, das den Planungsleistungen der Baumaßnahme vorausging.

Der Kreisausschuss des Landkreises Altenburger Land hat im Jahr 2018 die Vorbereitung und Durchführung der Vergaben der Architekten- und Ingenieurleistungen im Ober- und Unterschwellenbereich für das Bauvorhaben Lindenau-Museum Altenburg im Rahmen einer freiberuflichen Tätigkeit (Verfahrensbetreuung) beauftragt. Für das Bauvorhaben wurden alle Planungsleistungen gemäß der Vergabeverordnung -VgV europaweit im zweistufigen Auswahlverfahren bzw. Analogverfahren vergeben. Die Auswahl des Objektplaners sowie des Restaurators fand ab Juli 2018 statt, gefolgt vom Ausstellungsgestalter, Tragwerksplaner und den Fachplanern für die technische Ausstattung. Ende August 2019 war die Auswahl aller erforderlichen Fachplaner erfolgreich abgeschlossen.

Seitdem arbeiten Bauherr, Architekt, Planer, Denkmalbehörde und Nutzer sehr eng zusammen und entwickeln gemeinsam konstruktive Lösungen. In einem ebenso intensiven wie kreativen Planungsprozess wurden neue Erkenntnisse gewonnen und verarbeitet, so dass heute das Ergebnis einer effektiven Zusammenarbeit vorgestellt werden kann, zu der auch immer wieder Fachberater oder Sicherheitsorgane ihr Scherflein beigetragen haben.

Die Umsetzung zeitgemäßer Anforderungen an ein Kunstmuseum, das nicht mehr nur über Schausäle verfügt, sondern ein technisch unterstützter, multifunktionaler, kultureller, öffentlicher Bildungs- und Erlebnisraum in einem fast 150 Jahre alten Gebäude sein möchte, ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Alle Beteiligten widmen sich ihr mit viel Fachkenntnis, aber auch Leidenschaft für das außergewöhnliche Projekt seit Ende 2019.

Zu den regelmäßigen Planungsberatungen, an denen auch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg teilnehmen, werden verschiedene Schwerpunkte bearbeitet. Dazu wurden Lösungen gefunden für Barrierefreiheit, Eingangsgestaltung, Erweiterung des Studios der Kunstschule als Vermächtnis Bernhard August von Lindenaus, die Schaffung zusätzlicher Ausstellungsflächen für ein modernes Museum des 21. Jahrhunderts und mit den Zuwendungsgebern Bundesrepublik Deutschland und Freistaat Thüringen abgestimmt.

Er erinnerte daran, dass das Pressegespräch die Weiterführung der im vergangenen Jahr begonnenen öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Bauvorhaben Lindenau-Museum sei und zu weiteren Terminen mit gesetzten Schwerpunkte wie zum Beispiel die restauratorischen Befunde im Gebäude, die aufwendige technische Ausstattung oder die Ausstellungsgestaltung bereits in den kommenden Monaten eingeladen werde.

Ausblick: Erweiterung Herzoglicher Marstall

Marstall Altenburg- Blick in die Loge der Reithalle 2014 (Foto: der uNi)

Neben der denkmalgerechten Sanierung des traditionsreichen Museumsgebäudes an der Gabelentzstraße zu einem zeitgemäßen Kunstmuseum und dem Ausbau der Kunstschule wird der Herzogliche Marstall nach seiner Sanierung als zukünftiges Erweiterungsgebäude die Werkstätten der Restauratoren, ein Schaudepot, weitere Depots, Ausstellungsräume der Grafischen Sammlung und Büros beherbergen.

Es war eine Anforderung des Bundes, dafür zu sorgen, dass beide Gebäude in der Hand eines Fördermittelempfängers sind. Daher bemühten sich Landkreis Altenburger Land und Stadt Altenburg erfolgreich um eine Übertragung des Gebäudes von der Stadt auf den Landkreis, die schließlich im Mai 2021 erfolgte. Nun kann auch hier der Planungsprozess eingeleitet werden. Mit den investiven Sanierungsmaßnahmen soll ein Gesamtensemble Lindenau-Museum Altenburg entstehen, das sich durch seine Nachhaltigkeit, Attraktivität und Besucherfreundlichkeit auszeichnet.

Das von der Bundesrepublik Deutschland und vom Freistaat Thüringen zu gleichen Teilen geförderte Projekt „Grundsanierung und Restaurierung Lindenau-Museum Altenburg mit Herzoglichem Marstall und Parkanlagen (Schlossgarten)“ besteht aus drei Teilprojekten:

Teilprojekt 1: Denkmalgerechte Sanierung des Lindenau-Museums mit Ertüchtigung zu einem zeitgemäß barrierefreien Kunstmuseum inklusive Klimatisierung und Ausbau der Kunstschule (Studio).

Teilprojekt 2: Sanierung des Herzoglichen Marstalls und dessen funktionale Ertüchtigung als Erweiterungsgebäude für Werkstätten der Restautoren, Depot, Schaudepot, Grafische Sammlung, Ausstellungsräume der Grafischen Sammlung und Büros für die Mitarbeiter.

Teilprojekt 3: Herstellung der Infrastruktur zwischen beiden Gebäuden und Rekonstruktion der historischen Sichtachsen im denkmalgeschützten Schlosspark (gemäß Denkmalschutzausweisung)

Kleine Chronik des Lindenau-Museums

1848
Gründung der Kunstschule und des Museums am Pohlhof in Altenburg durch Bernhard August von Lindenau.

1854
Tod Bernhard August von Lindenaus. In seinem Testament stiftet er die Sammlungen dem Herzogtum Sachsen-Altenburg mit der Verfügung, dass innerhalb der nächsten 20 Jahre ein neues Museumsgebäude das zu klein gewordene am Pohlhof ersetzen sollte.
Die Stiftung Bernhard August v. Lindenaus beinhaltete auch einen großzügigen finanziellen Betrag für den Betrieb der Kunstschule und für deren Stipendiaten.

1874
Baubeginn des „Herzoglichen Landesmuseums“ am Fuße des Altenburger Schlossbergs. Architekt war der Semper-Schüler Julius Robert Enger.

1876
Eröffnung des Museumsgebäudes.

1971
Neugründung der Kunstschule als Studio Bildende Kunst.

1990er Jahre
Mehrere Sanierungsmaßnahmen am Museumsgebäude.

2001
Aufnahme des Lindenau-Museums in das „Blaubuch“ der national bedeutenden Kultureinrichtungen.

2016
Sanierung des Daches.

2017
Der Masterplan „Der Leuchtturm an der Blauen Flut. Das neue Lindenau-Museum und die Altenburger Trümpfe“ erscheint.

2018
Der Bundestag bewilligt eine Förderung von 24 Millionen für die Sanierung und Erweiterung des Lindenau-Museums, die der Freistaat Thüringen auf 48 Millionen verdoppelt.

August 2019
Alle Vergabeverfahren sind erfolgreich abgeschlossen. Das Planungsteam ist komplett und beginnt mit der Planung der Sanierung des Lindenau-Museums.

Juli 2020
Der Auszug der Sammlungen aus dem Lindenau-Museum ist abgeschlossen. Das Museum ist leergeräumt. Mit denkmalfachlicher Zustimmung beginnen umfangreiche Bauteilöffnungen, Material- und Baugrunduntersuchungen, 1:1 Bemusterungen

September 2020
Der substanziell verschlissene Zustand der an der Nordfassade vorhandenen Außentreppenanlage kristallisiert sich heraus. Die Notwendigkeit eines funktionalen Neubaus mit Platz für die zeitgemäße Gebäudetechnik verdeutlicht sich. Mehrere Eingangsvarianten werden diskutiert. Die herausgearbeiteten Varianten werden im Detail untersucht.

September 2021
Der erreichte Entwurfsplanungsstand für das neue Lindenau-Museum wird vorgestellt.

Februar 2022
Der Planungsfortschritt für das neue Lindenau-Museum wird vorgestellt.

Im Auftrag
Ute Wittstock (Fachdienst Infrastruktur Landratsamt)/
Steven Ritter (Öffentlichkeitsarbeit Lindenau-Museum)/
Jörg Reuter (Öffentlichkeitsarbeit Landratsamt)

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