Donnerstag , 8 Dezember 2022
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Herzrhythmus prüfen – Schlaganfall-Risiko senken


AOK PLUS und Preventicus starten Pilotprojekt zur Früherkennung von Vorhofflimmern

Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern sind weit verbreitet und können unbehandelt zum Schlaganfall führen. Knapp jeder dritte steht in Zusammenhang mit der Erkrankung. In Thüringen erhielten im vergangenen Jahr 55.887 AOK PLUS-Versicherte die Diagnose Vorhofflimmern, davon wurden 3.002 stationär behandelt. Häufig bleibt die Erkrankung jedoch unbemerkt, da sie oftmals gelegentlich und ohne spürbare Symptome auftritt. Zur besseren Früherkennung startet die AOK PLUS gemeinsam mit dem Jenaer Unternehmen Preventicus und kardiologischen Praxen ein einjähriges Pilotprojekt. Dabei werden Versicherte der Gesundheitskasse durch ein digitales Vorsorgeprogramm in ihrem Alltag begleitet.

Ziel ist es, asymptomatisches Vorhofflimmern bei bisher nicht in Behandlung befindlichen Betroffenen frühzeitig zu erkennen. Durch ihre medikamentöse Einstellung, konkret die Vergabe von Gerinnungshemmern, soll Folgeerkrankungen wie Schlaganfällen vorgebeugt werden.

Unterstützung durch App und Telemedizin
Die Teilnehmenden des Pilotprojektes erfassen über eine digitale Anwendung regelmäßig ihren Herzrhythmus in Form von Pulswellen. Dazu legt der Nutzer seinen Finger auf die Smartphone-Kamera. Beim Start schaltet die Screening-App das Blitzlicht hinzu und innerhalb der einminütigen Messung wird die Herzaktivität analysiert. Unregelmäßigkeiten bekommt der Nutzer direkt über die Anwendung angezeigt. Zugleich werden die Auffälligkeiten telemedizinisch überprüft und abschließend von einem Kardiologen verifiziert. Bestätigt sich der Verdacht auf Vorhofflimmern, vermittelt die App kurzfristig den Kontakt zu einem Telekardiologen oder einem Kardiologen vor Ort. Hier erhalten die Betroffenen nach telefonischem Erstkontakt innerhalb von 14 Tagen ihren ersten Termin.

„Das Pilotprojekt betont den Mehrwert von individuellen medizinischen Daten für die eigene Gesundheit und eine effektive Gesundheitsversorgung. Die regelmäßige Messung des Herzrhythmus und die telemedizinische Betreuung und Bewertung geben den Patienten Sicherheit. Zugleich wollen wir die Erkennungsrate von Vorhofflimmern erhöhen und das Schlaganfall-Risiko minimieren“, sagt Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, und fügt hinzu: „Versicherte können über digitale App-basierte Anwendungen Prävention unkompliziert in den Alltag integrieren. Dies ermöglicht jedem Einzelnen eine selbstständige Vorsorge und fördert die Gesundheitskompetenz.“

Innovative Diagnostik in Versorgung
Im Zuge der weiteren Behandlung erhalten Betroffene ein Langzeit-Elektrokardiogramm (EKG), das den Herzrhythmus 14 Tage misst und in Echtzeit an den behandelnden Kardiologen und das telemedizinische Zentrum überträgt. Bei auffälligen Messdaten kann das EKG vorzeitig abgebrochen und der Teilnehmende erneut in die Sprechstunde gebeten werden. Bei einem bestätigten Vorhofflimmern werden dann eine entsprechende Therapie eingeleitet und die Regelversorgung aufgenommen.

„Durch die Vordiagnostik per Screening und Verdachtsdiagnose werden spezifische Alters- und Risikogruppen systematisch nach unentdecktem Vorhofflimmern untersucht und bei Bedarf zügig in die ärztliche Versorgung vermittelt. Hier hat das 14-tägige EKG eine dreifach höhere Trefferquote bei Vorhofflimmern im Vergleich zur Regelversorgung, die ein 24-Stunden- oder maximal ein 72-Stunden-EKG vorsieht. Das Präventionsprogramm verbindet individuelle Vorsorge mit kardiologischer Versorgung – erleichtert und ergänzt durch Telemedizin“, unterstreicht Dr. Thomas Hübner, Gründer und Geschäftsführer der Preventicus GmbH, die Vorteile.

Pilotphase mit AOK PLUS-Versicherten
Das Pilotprojekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Die aktive Anwendung der App durch die Teilnehmer erfolgt über zwölf Monate. Im Anschluss werden die Ergebnisse evaluiert. Teilnehmen können AOK PLUS-Versicherte im Alter von 65 bis 85 Jahren, die sich bisher nicht in kardiologischer Behandlung befinden und keine Gerinnungshemmer nehmen. Zudem ist die Teilnahme 55- bis 64-jährigen Versicherten mit besonderem Risiko auf Vorhofflimmern aufgrund von u. a. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz oder anderen Durchblutungsstörungen möglich. Für die ärztliche Versorgung vor Ort sind jeweils zwei Kardiologen in den Regionen Erfurt, Jena, Gera und Meiningen zuständig, die Betroffene im Bedarfsfall aufsuchen können.

Mit gesunder Lebensweise gegen Vorhofflimmern
Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Formen von Herzrhythmusstörungen. Ohne Behandlung drohen gravierende Folgen, wie z. B. ein Schlaganfall. Generell ist das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern um das Fünffache erhöht und steigt mit zunehmendem Alter. Vorhofflimmern kann spontan anlagebedingt auftreten, zugleich begünstigen eine Reihe von Risikofaktoren die Störung, wie Bluthochdruck, eine Herzkrankheit, Schilddrüsenüberfunktion, Übergewicht oder der Konsum von Alkohol. Darüber hinaus nimmt die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, mit hohem Lebensalter zu. Neben Medikamenten können ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung dazu beitragen, dass Vorhofflimmern seltener oder gar nicht erst auftritt.

Kurzbeschreibung der beteiligten Partner
Die AOK PLUS ist die größte gesetzliche Krankenkasse in Sachsen und Thüringen. In Thüringen begleitet die Gesundheitskasse 999.394 Versicherte (Stand: 01.07.2022) professionell und partnerschaftlich in allen Lebenssituationen: bei Prävention, Gesundheitsvorsorge, Krankheit und Pflege. Dabei ist die AOK PLUS mit über 130 Filialen in Sachsen und Thüringen oder auch digital überall und jederzeit gut erreichbar.

Das Jenaer Unternehmen Preventicus GmbH entwickelt digitale Anwendungen und telemedizinische Infrastrukturen zur Prävention und zum Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Als Leitmotiv steht die Prämisse, dass digitale Technologien zur Entdeckung von Vorerkrankungen und Risikofaktoren nur hilfreich sein können, wenn sie in strukturierte Versorgungswege eingebettet sind, die Patienten schnell in die Therapie bringen.

Hannelore Strobel
Pressesprecherin, AOK PLUS – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen.

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